Ist wohl so: Als Utensil häuslicher Zivilisation ist die Suppenterrine abserviert, ausrangiert, ausgestorben. Um das Ausmaß der Todesverachtung anzudeuten, die ihr gilt, genügt ein einziges Wort – "trutschig". In Journalen, die Modern Living oder Elle Decoration heißen, wird sie nie wieder auftauchen, da es inzwischen üblich ist, Töpfe vom Herd gleich auf den Esstisch zu stellen. Warum? Eine Terrine würde einen furchtbar zeitraubenden Extra-Arbeitsgang erfordern, nämlich die fertige Suppe umzufüllen in ein möglichst vorgewärmtes Extra-Gefäß.

Retten wir also die wenigen überlebenden Exemplare. Etwa dieses hübsch abgestoßene Beispiel aus der Manufaktur Crailsheim (1755) "aus sandfarbenem Scherben", wie der Profi erkennt. Verspricht nicht allein ihre bauchige Form sinnlichen Genuss? Weckt die Camaieu-Malerei in kräftigem Kupfergrün mit Ranken, Tulpen und Storchschnabel etwa keine Frühlingsgefühle? Vor allem hat es uns der Knauf auf dem Deckel angetan, in Form einer halbierten Zitrone. Wie gut diese Zitrone in der Hand liegt, wenn sich mit einem eleganten "Pling" der Deckel vom Unterteil trennt ...

Mit einer solchen Terrine wird noch die ordinärste Dosensuppe genießbar. Aber angemessen wäre es natürlich, die Terrine zu würdigen und zum Beispiel eine Rote-Bete-Suppe mit ordentlich Dill und Crème fraîche darin aufzutragen.

Das geben wir ihr mit auf den weiteren Weg. Die handliche Crailsheim-Terrine, 16 Zentimeter hoch und 20,5 Zentimeter breit, stammt aus der Sammlung der Keramik- und Fayence-Expertin Ingrid Loosen-Grillo. Als Los 550 beim Kölner Auktionshaus Van Ham hat das Stück soeben für 1.700 Euro einen neuen Suppenfreund gefunden.