ZEIT: Werden Sie nun, als eine der schärfsten Stimmen gegen Trump, ernster genommen?

Noah: Ja. Das hat natürlich eine gewisse Ironie. Heutzutage sind ernst zu nehmende Leute Komiker, und Komiker werden ernst genommen. Wir dachten, Trump sei ein Witz, und nun ist er Präsident, und die Witzereißer müssen seriös werden. Trump ist gut für die Quoten, auch unsere. Leute gucken sich die Show an, weil sie hoffen, dass wir zusammen Antworten finden. Das ist gut, aber es zwingt uns, viel sorgfältiger zu sein.

ZEIT: Haben Sie diese sorgfältige Ader von Ihrem Vater, der ja Deutschschweizer ist?

Noah: Ich habe durchaus eine Schweizer Seite, die mit Logik und Präzision zu tun hat, vor allem bei der Arbeit. Ich denke sogar, ich habe das in den Genen. Das kann man nicht erlernen. Die Schweizer Pünktlichkeit allerdings zählt nicht dazu.

ZEIT: Werden Sie in den USA als schwarzer Ausländer anders behandelt als ein Afroamerikaner?

Noah: Durchaus. Zwischen schwarzen und weißen Amerikanern gibt es immer unterschwellige Gefühle von Schuld und Ressentiments. Aber gegenüber einem Ausländer fühlen sich weiße Amerikaner sicherer, weil sie wissen, ich stelle keine Ansprüche an sie.

ZEIT: Ihr Buch dreht sich um die problematischen Rassenbeziehungen zwischen Schwarzen und Weißen in Südafrika. Empfinden Sie dies in Amerika ähnlich?

Noah: In beiden Staaten wurden Schwarze als Bürger zweiter Klasse behandelt, auch noch nach dem Ende der Rassentrennung. Der große Unterschied ist: Wir hatten in Südafrika eine Wahrheits- und Versöhnungskommission, wo Menschen miteinander über die Vergangenheit sprechen konnten. So etwas hat es in Amerika nie gegeben. Und bei einer Versöhnung geht es nicht nur um Reparationen, sondern zuerst um Anerkennung. Wenn mein Urgroßvater etwas von Ihrem Urgroßvater gestohlen hätte, und deshalb bin ich heute wohlhabend, und Sie sind arm, dann sollten wir uns wenigstens darauf verständigen, was geschehen ist, sodass man nicht dauernd beweisen muss, was einem angetan wurde.

ZEIT: Könnte Amerika noch heute so eine Kommission gründen?

Noah: Ja, ich denke, dazu ist es nie zu spät. Es gibt ja auch Momente, in denen Amerika zusammenkommt: Sportereignisse, der Super Bowl, Musik, auch bei Katastrophen. Aber es ist schwer für Leute, sich zu integrieren, wenn die Gesetze der Vergangenheit oft noch diktieren, wo jemand wohnt. Das war übrigens in Südafrika ähnlich, wo Leuten auch Wohnorte zugewiesen wurden. Nun will Trump auch noch, dass sich Amerika von der Welt abschließt. Das ist genau das Gegenteil von dem, worauf Amerika gegründet wurde. Amerika ist auf Offenheit gebaut, darauf, Risiken einzugehen.

Trevor Noah: Farbenblind. A. d. Engl. v. Heike Schlatterer; Karl Blessing Verlag, 336 S., 19,99 €