Besonders hinterhältig sind die, die uns im Wasser erwischen – weit entfernt vom Strand oder Beckenrand. Muskelkrämpfe ignorieren? Geht nicht. Im Prinzip ist jeder der 650 Muskeln im Körper in der Lage, sich spontan und unwillkürlich zusammenzuziehen. Doch am häufigsten trifft es die Beine. So ein Krampf fühlt sich fies an und kann einem im völlig unpassenden Moment widerfahren. An sich aber ist er harmlos.

1. Der Muskel schützt sich selbst. Er reagiert mit einem Krampf, wenn er zu stark belastet wird. Erst recht bei Menschen, die wenig Sport treiben, viel sitzen und deren Muskelfasern dadurch obendrein verkürzt sind. Dass Krämpfe häufig beim Schwimmen auftreten, liegt zum einen an der ungewohnten Beinbewegung, zum anderen daran, dass sich die Muskeln im kühlen Wasser eher zusammenziehen. Auch wenn der Körper unterzuckert ist, kommt es leichter zu Krämpfen. Die darbenden Muskeln ziehen sich dann zu ihrem Schutz zusammen – und klemmen dabei die Gefäße ab. Das provoziert Sauerstoffmangel. Und der tut weh. Meist dehnt man die Partie instinktiv, und das ist genau richtig: Gegenspannung lockert die Muskulatur.

2. Wir trinken zu wenig. Beim Sport oder bei harter körperlicher Arbeit schwitzt der Organismus pro Stunde bis zu einen Liter Wasser aus. Dabei verliert er Elektrolyte, also in Körperflüssigkeit gelöste Mineralien wie Natrium, Kalium oder Kalzium. Der Körper kann diese Stoffe nur über die Nahrung bekommen. Sie sind nötig, um die Erregung von den Nerven auf die Muskeln zu übertragen. Eine häufige Ursache bei sportbedingten Krämpfen ist der Mangel an Natriumchlorid – also Salz. Wer bei sehr schweißtreibenden Aktivitäten vorbeugen will, sollte viel Wasser trinken und es mit einer Prise Salz anreichern. Auch Menschen, die nachts unter Wadenkrämpfen leiden, sollten eher einmal ein Glas Kräutertee oder Sprudel mehr zu sich nehmen.

3. Wir trinken das Falsche. Ein Alkoholrausch begünstigt Krämpfe, weil er die Flüssigkeitsregulation des Körpers durcheinanderbringt: Das Blut wird stärker in Haut, Gefäße und Peripherie gepumpt, im Gehirn dagegen sinkt das Blutvolumen ab. Es verliert dann die perfekte Kontrolle über die Reizweitergabe an die Muskeln. Bier ist obendrein stark harntreibend, das verschiebt die Balance im Wasser- und Elektrolythaushalt.

4. Wir stehen unter Druck. Stressbotenstoffe wie Cortisol und Adrenalin versetzen Muskeln und Nerven in Kampfbereitschaft. Das ist lebenswichtig in Notlagen. Doch Stress kostet Energie. Je ausgelaugter der Organismus ist, desto niedriger die Reizschwelle der Nerven. Hält die Spannung länger an, werden die Nervenimpulse nicht mehr fokussiert weitergegeben, sondern ungefiltert. Die Zellen können dann in Dauererregung geraten, der Muskel krampft und kann nicht mehr loslassen. Auch hier hilft ein Reiz von außen: Dehnen.

5. Nachschub fehlt. Sehr verbreitet ist die Vorstellung, dass die Einnahme von Magnesium Krämpfen vorbeugt. Doch lediglich bei Schwangeren, die einen erhöhten Magnesiumbedarf haben, gibt es Hinweise darauf, dass dies tatsächlich so ist. Allgemein empfiehlt sich eine vielseitig gemischte Ernährung, sie ist ohnehin mineralstoffreich. Muskeln und Nerven mögen besonders die B-Vitamine: Die aktivieren den Stoffwechsel und fördern die Blutbildung. Ein wertvolles Lebensmittel bei der Neigung zu Krämpfen sind Bananen: Sie enthalten viel Kalium, Magnesium, B-Vitamine, Vitamin C, liefern schnell Zucker und Energie.