Es ist eine charmante Idee, mit der die beiden CDU-Politiker Dennis Thering und Christoph Ploß im vergangenen Oktober an die Öffentlichkeit gingen: Wieso, fragten sie, können die Fähren der Alster-Touristik nicht morgens im Berufsverkehr im 10-Minuten-Takt zwischen Mühlenkamp und Jungfernstieg pendeln, um den überfüllten, oft im Stau stehenden Metrobus 6 zwischen Winterhude und der Innenstadt zu entlasten? "Langfristig wird die U-Bahn-Linie 5 eine Lösung sein", sagt Thering. "Aber bis 2032 ist es noch lange hin!" Die Fahrzeiten per Schiff seien kürzer als mit dem Bus. Und: "Der Betrieb bei der Alster-Touristik startet um zehn Uhr. Vorher sind die Fähren ungenutzt!" Kann man also im Venedig des Nordens bald zur Arbeit fahren, als sei man Commissario Brunetti, zumindest als Winterhuder? Wie man zurückkäme und alles Weitere wollten Thering und Ploß in einem zweijährigen Pilotprojekt ausloten.

Doch ein entsprechender Antrag der CDU wurde in der Bürgerschaft abgeschmettert. Auch vergangene Woche sahen bei einer Anhörung Vertreter von Regierungsfraktionen, Alster-Touristik, Hochbahn und Verkehrsbehörde für die Sache kaum eine Chance. Der Betrieb der Strecke ließe sich "weder finanziell noch verkehrstechnisch begründen", so die SPD-Bezirksfraktion Hamburg-Nord. Kein einziger Bus ließe sich einsparen. Und, um zum Commissario-Brunetti-Gefühl zu kommen: "Derart subjektive Kriterien beeinflussen zwar die individuelle Verkehrsmittelwahl der Fahrgäste", schreibt die Hochbahn, "können aber bei der Bereitstellung von Angeboten des öffentlichen Personennahverkehrs keine Berücksichtigung finden."

Dabei geht es längst nicht mehr nur um eine Strecke. Vor einiger Zeit hatte der Verkehrsplaner Dieter Doege die Idee, "mit modernsten Schiffen die Alsterschifffahrt wieder zu beleben, lautlos, emissionsfrei und wellenarm". Zumal die schöne Alster zugleich Hamburgs "Verkehrshindernis Nummer eins" sei.

Dieser Artikel stammt aus dem Hamburg-Teil der ZEIT Nr. 10 vom 2.3.2017. Sie finden diese Seiten jede Woche auch in der digitalen ZEIT.

Es fehlten attraktive Quer- und Entlastungsverbindungen nördlich der Innenstadt, sagt auch Matthias Kruse vom Verein Alsterdampfschiffahrt, der 2015 vorschlug, reguläre HVV-Fahrten über die Alster einzuführen. Verkehrsplaner Doege hat einen Fahrplan ausgearbeitet, der Stopps an allen geeigneten Anlegern vorsieht – wie früher: Linienverkehr auf der Alster gab es schon mal; noch 1968 waren die Schiffe in den Hauptverkehrszeiten brechend voll. "Ich bin mir absolut sicher, dass die Alsterschifffahrt das völlig überlastete Zentrum Hamburgs entscheidend entlasten könnte", sagt Doege. Außerdem: "Jede Stadt, die etwas auf sich hält und über entsprechende Wasserwege verfügt, nutzt die auch." Selbst Schwerin leistet sich einen Fährverkehr über den Pfaffenteich: Der umfasst eine Fläche von 12 Hektar. Die Außenalster dagegen hat 164.

Vielleicht hat all das einige SPDler zum Nachdenken gebracht. Wie sagte Alexander Kleinow, parlamentarischer Geschäftsführer der SPD-Fraktion Nord, vorige Woche? "Wir verschließen uns keinen Ideen zur Wiedereinführung des Schifffahrtsbetriebs und werden die Gespräche mit Verantwortlichen suchen." Bahnt sich da eine große Koalition an?