Doch Cosmos Impact Factor gibt es nicht an der angegebenen Adresse in Kleinmachnow. Dort steht eine Schule. Und die Internet-Domain cosmosimpactfactor.com ist unter dem Namen Bapi Roy in Alipurduar im indischen Bundesstaat Westbengalen registriert. Nur Barbara E. Weißenberger lehrt und forscht tatsächlich in Düsseldorf, sie kennt die Firma nicht. Als sie durch die ZEIT von dem Schwindel erfährt, ist sie kaum überrascht. "Sie glauben gar nicht, was bei mir an E-Mails ankommt", sagt die Professorin. "Das heutige Publikationssystem bietet einen idealen Nährboden für viel Schmutz."

Wissenschaftler wie Weißenberger kennen die Qualitätszeitschriften in ihrer Disziplin. Sie löschen die Spam-Mails sofort. Junge Forscher, zumal solche aus aufstrebenden Wissenschaftsnationen, gehen leichter in die Falle. Bis vor Kurzem hatten sie mit Beall’s List ein Register ominöser Verlage. Doch seit dem 17. Januar dieses Jahres ist die Website abgemeldet. Auch sein Blog hat Jeffrey Beall eingestellt. Über die Gründe schweigt der Wissenschaftler. Vonseiten der Universität Colorado in Denver heißt es, Beall werde sich andere Beschäftigungsfelder suchen. (Im Internet-Cache kann man auf die Liste zugreifen.)

Seitdem schießen Spekulationen ins Kraut. Musste Beall seine Liste auf Druck der Pseudoverlage aus dem Netz nehmen? Oder war er auf seinem Feldzug über das Ziel hinausgeschossen? Tatsächlich hatte es mehrmals hohe Schadensersatzdrohungen gegen Beall gegeben.

Jedenfalls hat Bealls Verstummen eine große Lücke gerissen. Einzelne Forscher greifen seither zur Selbsthilfe. Nachdem er zum x-ten Mal eine Werbemail vom International Journal of Advanced Computer Technology erhielt, schickte der australische Wissenschaftler Peter Vamplew eine E-Mail, die aus einem hundertmal wiederholten Satz bestand: "Get me off your fucking mailing list". Vamplew erhielt prompt eine Antwort. Sein Text sei im peer review der Zeitschrift als "exzellent" bewertet und zur Publikation angenommen worden.

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