Wer als Deutscher auf Sri Lanka in den Bus steigt, ist zwar immer noch Tourist, wirkt aber furchtlos. Das gefällt den Einheimischen. Wer dagegen private Fahrer nimmt, hat zu viel Geld. Ich bin cooler, denke ich, die Reisekaugummis gegen Übelkeit lagern einsatzbereit im Rucksack. Überfüllt und viel zu heiß ist es in den Bussen. Indische Musik dröhnt pausenlos aus den Boxen, und übergeben muss man sich aus dem Fenster, der Bus hält dafür nicht extra an.

Zwischen Faszination und Wahnwitzigkeit rase ich für knapp zwei Euro immer wieder über die Insel. Oft im Stehen, manchmal auf den zu schmal geschnittenen Sitzen mit Plastikbezug. Ich habe Muskelkater vom Festhalten. Übermäßiger Körperkontakt ist normal in dem rostigen Gefährt, ich will aber nicht in jeder Kurve auf meinem Nachbarn liegen.

Buddhistische Mönche müssen glückliche Menschen sein. Für sie sind Plätze ganz vorne reserviert. Fast beruhigt bin ich, sobald einer einsteigt. Die gläubige Seele an Bord schützt uns Mitfahrer, während wir mit 90 Stundenkilometern enge Serpentinen nehmen wie in einem Computerspiel.

Rückspiegel nutzt niemand, auch nicht den Blinker. Dafür die Hupe. Überholverbot? Haha. Mit übermenschlichem Selbstbewusstsein jagen wir an anderen vorbei. Hemmungslos. Gegenverkehr? Egal. Da wird schon nichts hinter der Kurve kommen, hoffe ich mit geschlossenen Augen.

Erleichtert und stolz steige ich am Ziel aus. Die ersten Schritte sind wie nach einer Achterbahnfahrt. Am Abreisetag erfahre ich: Auf dem Pass im Süden sollen täglich bis zu zwölf Menschen sterben. Zum Flughafen nehme ich einen privaten Fahrer. 80 Euro. Aber dafür bin ich angeschnallt.