Puh, wie gemein war das denn! Die in Berlin erscheinende tageszeitung, von Verbalveganern gern taz genannt, hat die Partei Die Grünen übel beschimpft. Gestern waren taz und Grüne noch das alternative Traumpaar, ein Herz und eine Seele und ganz allein auf weiter Flur. Aus, vorbei! Dabei hat die taz auf so vieles verzichtet, damit die grüne Liebe frisch bleibt wie am ersten Tag. Wo andere Zeitungen ein Feuilleton haben, da hat die taz ein buntes Schrebergärtlein mit Berliner Allerlei nebst hochwertigem Kräuterbeet für intellektuelles Heilfasten. Hinter den Gartenzwergen blüht das Adonisröschen für den grünen Selbstanbeter, daneben duften Engelwurz für tiefenentspanntes Denken und der blutdrucksenkende Schlafmohn gegen kognitive Erregungszustände.

Die taz weiß: Liebe geht durch den Magen, der grüne Stammleser hasst Rote Bete und bevorzugt politisch leicht verdauliche Schonkost aus ökologisch korrektem Theorieanbau. Heute auf der Speisekarte: das gedünstete Gedankentofu "Harry" mit islamkritischer Identitätssoße und laktosefreier Holunder-Biolimonade zum Runterspülen. Politisch scharf gewürzte Kost mit erhöhtem geistigem Nährwert nur gegen Vorkasse oder in der taz-Beilage Le Monde diplomatique.

Und jetzt die Scheidung! Die Grünen seien eine "FDP mit Biosiegel", höhnt die taz, eine "Akademikerpartei ohne eine Idee zum wahlentscheidenden Thema Gerechtigkeit". Gerechtigkeit? Kocht die taz neuerdings wieder Rote Bete? Hat nicht unlängst ein naturbelassenes Redaktionsfrüchtchen den Linken Yanis Varoufakis in die Öko-Tonne getreten? "Hilfe, ein Revoluzzer! Anstatt artig für Work-Life-Balance zu kämpfen, will er den armen Reichen ans Leder!"

Um der Wahrheit die Ehre zu geben: Im Gegensatz zu den Paradiesgärtnern von der taz wissen Grüne wie Boris Palmer durchaus, wo der Schuh drückt. "Grüne Professoren sagen mir: Ich habe zwei blonde Töchter, ich sorge mich, wenn jetzt 60 arabische Männer in 200 Meter Entfernung wohnen." Klingt das nach FDP mit Biosiegel? Die FDP würde so etwas nie sagen, höchstens Herr Seehofer, aber den kennt Herr Palmer gar nicht, er macht ihn bloß nach. Bei den Grünen existiert auch keine Gerechtigkeitslücke, denn Katrin Göring-Eckardt fordert schon immer den Mindestlohn, und dass sie die Einzige ist, die sich daran erinnern kann, spricht für ihr tolles Gedächtnis. Mit dem Verlangen nach Gerechtigkeit fing der Menschheitsschlamassel übrigens an, denn zuerst war nicht der Mensch, sondern die Natur. Der Mensch ist das Allerwichtigste, aber so wichtig nun auch wieder nicht.

FINIS