Es kommt nur selten vor, dass man einem Menschen zum Geburtstag Glück wünschen kann, der gerade ein Buch über das Glück geschrieben hat. Nun ist es so weit: Franz Schuh, der auf diesen Seiten seit Jahr und Tag die im schönsten Wortsinn marginale Kolumne Taschenbuch verfasst (die erste erschien in der Ausgabe vom 3. Mai 1996), wird siebzig; und sein jüngstes Buch Fortuna handelt vom Glück. Es handelt von einem Glück, zu dem man Franz Schuh wohl beglückwünschen kann, denn er kennt es, aus Erfahrung.

Er lässt die Leser wissen, er schreibe über das Glück, weil er es hatte, "und zwar so viel, dass ich damit bis jetzt dem unvermeidlichen Unheil trotzen konnte". Es hat sich ihm im Alltag gezeigt, auf der Mariahilfer Straße etwa, als er unterwegs ist zu seinen alten Eltern und ihn eine weihnachtliche Einsamkeit befällt, "mit der ich glücklich war". Oder es hat sich ihm in Lektüren gezeigt, wenn er etwa überraschend einem Bertolt Brecht begegnet, der gesteht, er verachte "solche, die im Unglück sind". Franz Schuh lässt das Glück in Reimen auftreten, etwa wenn es um Strudel geht und um Nudeln. Er erfasst es in den literarischen Formen des Essays, des Aperçus, der Anekdote, des Gedichts. Der Wiener Franz Schuh, Gegner aller Schönfärberei und Philosoph der realistischen Erwartung, weiß, dass die meisten Menschen nicht glücklich sind, dass es oft nichts zu hoffen gibt, und er tut nicht so, als sei das anders. Aber Hinweise liefert er doch: "Glück benötigt mich, damit ich es habe." Mit Selbstmitleid verträgt es sich nicht. Mit der Vergänglichkeit durchaus, mit Dicksein auch und mit dem Wohnen im Wiener Gemeindebau.

Glückwünsche bedeuten im vorliegenden Fall: Diesem Glück von Schuh wünschen wir Leser. Wir raten zu.

Franz Schuh: Fortuna. Aus dem Magazin des Glücks; Zsolnay Verlag, Wien 2017; 254 S., 22,– €