Vitamine sind eine sehr ernste Sache. Gerade erst hat das amtliche Bundesgesundheitsblatt der Frage "Nahrungsergänzungsmittel: Fluch oder Segen?" ein ganzes Heft gewidmet. Es enthält gewichtige Beiträge wie etwa jenen über Folsäure: "Ein Vitamin mit zwei Gesichtern".

Zwei Gesichter zeigte auch die New York Times. Einerseits liefert das Traditionsblatt dieser Tage besonders viel schwere, politische Kost. Leichter verdaulichen Ausgleich sollte da vielleicht ein Gesundheitsthema schaffen: Ist es ratsam, seinen Vitaminbedarf statt mit Nahrungsergänzungspillen mit dem Verzehr vitaminverstärkter Gummidrops zu decken?

Profanes Runterschlucken von Pillen und Tabletten ist offenbar für die Spezies Homo sapiens ein ganz und gar untypisches Verhalten – und wird schon aus diesem Grund gemieden. Viele ältere Menschen tun sich außerdem schwer damit, sperrige Tabletten hinunterzuwürgen. Nachgiebige, süße Fruchtgummis sind da doch viel angenehmer.

Zudem kaut der Mensch einfach gerne, von Natur aus. Und die Industrie nutzt das. In den USA beträgt der Umsatz für diese Art von Nahrungsergänzungsmitteln bereits mehrere Hundert Millionen Dollar. Auch deutsche Apotheken bieten in Tresennähe gern essbare Gummiware an. In kleinen Tüten, zu Apothekenpreisen. Naturgemäß sind Vitamine in Form eines süßen Drops leckerer als Tabletten – die mitunter einen etwas muffigen Abgang haben. Was aber ist mit dem Zucker im Gummi? Eine einzige Dosis Gummibonbon mit einem Gramm Vitamin-C, enthält 8 Gramm davon! Allerdings benötigen Erwachsene nur rund 100 Milligramm Vitamin C täglich. Wer sich beherrscht, kann mit einem angebissenen Fruchtgummi seinen Bedarf decken und bleibt schlank.

Der durchschnittlich verführbare Konsument aber wird den Vorrat bis zur Neige futtern. Mit etwas Maßhalten bei anderen Lebensmitteln könnte auch dies – zumindest in Bezug auf die Kalorienbilanz – noch ungefährlich sein. Was aber ist mit den gleichzeitig zugeführten Megadosen an Vitaminen? Da sind wir wieder bei den zwei Gesichtern der Folsäure aus dem Bundesgesundheitsblatt. Diesem Vitamin wird eine positive Wirkung gegen Krebs nachgesagt. Nun stellt sich aber heraus, dass es in großen Mengen vertilgt womöglich sogar Tumore wachsen lässt. Folsäurefruchtgummis sind also passé. Wie wäre es mit einem ernst gemeinten Tipp: Esst mehr Spinat – da ist reichlich Folsäure drin.