Der Traum von Olympia beginnt jeden Morgen um halb acht. Vor der Schule das erste Training, nach der Mittagspause wieder Unterricht und Training, dann Hausaufgaben und noch einmal Training. An den Wochenenden finden die Wettkämpfe statt. Es ist ein kraftraubender Alltag für junge Sportler, die hoffen, eines Tages im Nationaldress um internationale Medaillen kämpfen zu dürfen.

Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) hat dafür Leistungszentren eingerichtet, um die Allerbesten in ihren Sportarten noch besser zu machen. Die oft minderjährigen Athleten leben in Internaten, weit weg von Familie und Freunden, trainieren hart und erreichen häufig doch nicht mal annähernd die Normen der Olympischen Spiele. Nicht alle Jugendlichen halten diesem Druck stand. Am Olympia-Stützpunkt in Dulsberg sollen zwei Nachwuchssportler einen 14-jährigen Badminton-Spieler misshandelt haben.

Die Vorfälle liegen inzwischen mehr als ein Jahr zurück, doch erst vergangene Woche wurden sie durch einen Bericht der Bild-Z eitung öffentlich.

Ein 19-jähriger Badminton-Spieler und ein 18-jähriger Schwimmer, beide haben schon mehrere Titel gewonnen, werden verdächtigt, in den Jahren 2015 und 2016 einen jüngeren Badminton-Spieler regelmäßig gequält zu haben. Die Vorwürfe: Die beiden Schüler sollen den 14-Jährigen in eine Kiste gesperrt und ihm immer wieder mit der flachen Hand in den Nacken und mit nassen Handtüchern auf den Rücken geschlagen haben. Zudem wird ihnen vorgeworfen, den jungen Athleten mit Wodka abgefüllt und ihm regelmäßig in die Brustwarzen gekniffen zu haben.

Die Taten sollen sich unweit des Trainingszentrums in einem Internatsgebäude ereignet haben. Dort leben derzeit 23 Nachwuchstalente verschiedener Sportarten zusammen in einem mehrstöckigen Klinkerbau. Untergebracht in Doppel- und Einzelzimmern, pendeln sie zwischen Schule und Sport. Sie werden bekocht und rund um die Uhr betreut.

Suchten die jungen Sportler ein Ventil, um sich vom Druck der Profi-Karriere zu entlasten? Kam es auch deshalb zur Gewalt, weil Täter und Opfer so eng zusammenlebten? Die Leiterin des Olympia-Stützpunktes, Ingrid Unkelbach, will sich zu den Details der Taten nicht äußern. Sie weist Verfehlungen der Internatsleitung aber zurück. "Wir können die Schüler nicht durchgehend überwachen, wir haben ja keine Kameras in den Zimmern", sagt sie, "die Heimaufsicht hat uns mehrfach bestätigt, dass wir uns korrekt verhalten haben."

Nach Unkelbachs Schilderungen haben die Betreuer die Misshandlungen im Januar 2016 bemerkt. Der Oberkörper des jungen Badmintonspielers sei voller Hämatome gewesen. Die Internatsleitung reagierte und suspendierte die beiden Schüler. Sie meldete die Vorfälle der Heimaufsicht in der Sozialbehörde.