Sie hat schlimmste Migräne und eine Nasennebenhöhlenentzündung!" So wird die Autorin angekündigt. Lena Steeg, Redakteurin und Kolumnistin. Sie liest einen Text über die Leidensfixiertheit moderner Paare, mit einer eleganten, femininen Stimme. Man fragt sich, wie sie wohl klingen würde ohne ein HNO-Problem.

Neon, die Zeitschrift für Menschen, die sich an die Pubertät noch erinnern können, aber schon wissen, was eine Steuererklärung ist, hat eine Partyreihe aufgelegt. Ort: ein Kellergewölbe neben der legendären Ritze auf der Reeperbahn.

Erst wird vorgetragen aus dem kommenden Heft, dann wird getanzt. Restbestände bürgerlicher Salonkultur halten sich hartnäckig in einem Milieu, das gern Papier blättert und zugleich im Netz zu Hause ist. Von wegen diese Leute lesen nicht mehr. Sie lassen sich sogar vorlesen und lauschen.

Zweiter Vortrag von Linda Rachel Sabiers, ein Prosastück über Toilettenfrauen in Nachtclubs und warum sie die besseren, das heißt verständigeren Menschen sind, vor allem wenn man als zarte Seele das Einsamsein gerade in der Partymenge umso deutlicher empfindet. Auch dies eine melancholische Erzählung; der Eindruck verfestigt sich, diese Generation ist viel empfindsamer als Snapchat-Klamauk und Twitter-Blabla einem weismachen wollen. Für Sabiers muss der Abend bedrückend gewesen sein – es gab kein fürsorgliches Sanitärpersonal.

Exzellent: die DJs. Whitney Houston und Public Enemy kollidieren über ein und demselben Beat, und man begreift: Pop kennt keine ideologischen Konflikte. Das ist schön und entlastend, zumal Neon-Leser es schon schwer genug haben, von wegen Liebesschmerz und Verlorensein in der Nacht.