Ein Strahlen aus lebhaften Augen. Es war im Februar 2005, als ich zum ersten Mal auf den Klingelknopf des Brooklyner Brownstone-Hauses drückte und Paula Fox mich in Empfang nahm. Sie war 81. Ich werde sie nicht wiedersehen, dachte ich, als ich Stunden später das Gartentor hinter mir schloss.

Dass es anders kam und ich in den kommenden Jahren noch viele Male ihr herzliches Lachen hören sollte, das passte zu Paula Fox. Sie selbst hatte sich radikal früh auf die Unverlässlichkeit des Lebens einstellen müssen. "Ein paar Tage nach meiner Geburt war ich in einem Findelhaus in Manhattan abgegeben worden von meinem widerstrebenden Vater und von Elsie, meiner Mutter, die nicht zu bändigen gewesen war in ihrer Hast, mich loszuwerden", heißt es in ihrer Autobiografie In fremden Kleidern. Ein alleinstehender Pfarrer, der das Baby wenige Monate später bei einer Pflegefamilie sah, nahm sie zu sich. "Von ihm lernte ich Loyalität mit mir selbst", sagte Paula Fox über die sechs guten Jahre bei ihm, die endeten, als ihre Großmutter sie wegholte.

Immer wieder, wenn ich ihrer Küche saß und die dicht bestückte Bilderwand mit Fotos von Familie und Freunden betrachte, wanderte Paula Fox’ Blick nach innen, und sie erzählte von diesen Eltern, die sadistisch genug dem Pfarrer die Adoption verweigern und sie nie ganz in Ruhe ließen. Paulas Jugend: eine Odyssee über den Kontinent; frühe Schwangerschaft mit einer Tochter, die sie ihrerseits zur Adoption freigab. Armut, zwei fehlschlagende Ehen, alleinerziehend mit zwei Söhnen.

Irgendwann während unserer Treffen kam dann Martin Greenberg, Literaturprofessor und Faust -Übersetzer, herunter aus seinem Arbeitszimmer, wacklig auf den Beinen, brillant im Kopf. Mit ihrer Heirat 1962 hatte für Paula Fox eine ruhige Zeit ihres Lebens begonnen. Sechs Romane entstanden, 23 Jugendbücher. Sie schrieb über vernachlässigte Kinder, ins Leben aufbrechende Jugendliche, eine leise zerbrechende Ehe. Als Jonathan Franzen 1991 ein Exemplar des vergriffenen Eheromans Desperate Characters (deutsch: Was am Ende bleibt) in die Hände fiel, rühmte er es erstaunt als "Roman, der jedes andere Werk des amerikanischen Realismus nach dem Zweiten Weltkrieg in den Schatten stellt".

Wachheit und Alarmiertheit lagen bei Paula Fox nah nebeneinander; sie sorgten für scharfe Beobachtungen und eine brillante Figurenzeichnung. Sie gab das Schreiben auch nicht auf, als sie sich nach einem Unfall die Sprache mühsam zurückerobern musste. Einmal mailte sie: "Alt werden ist verstörend. Ist es nicht seltsam, dass man sich plötzlich sogar durch Menschen, die man liebt, ausgelaugt fühlt? Als wäre Altern eine langsame, schmerzhafte Absage ans Leben selbst – immer mal wieder unterbrochen von langen Momenten voller Lachen." Am 1. März ist sie, 93-jährig, gestorben.

Von Bernadette Conrad erschien 2011 die Biografie "Die vielen Leben der Paula Fox" (C. H. Beck)