Hier ist der Kunde König, der Koch hingegen noch viel mehr: "Food created by Gods" verspricht das Restaurant The Greek. Gemeint ist griechische Spitzenküche jenseits der Olympiaplatte. Michalis Josing hat sich darum schon verdient gemacht. Ihm gehört die Meze-Bar Dionysos in Eimsbüttel. Nun hat er sich noch das Portugiesenviertel ausgesucht, nachvollziehbar: viel Laufkundschaft, aber kaum gutes Essen.

The Greek verzichtet auf Folklore und belässt es bei ein wenig Gründerzeit-Charme: Ziegelwände, Dämmerlicht, Schmiedeeisen am Treppengeländer. Die offene Küche ist von Regalen mit Weckgläsern eingefasst. Der joviale Kellner beherrscht die Kunst, den Gast mit "Mein Herr" anzureden und gleichzeitig zu duzen. Warum er eine Fliege aus Holz trägt? "Der Chef meint, das ist mal was anderes. Man muss aber aufpassen damit, die Dinger schießen einem beim Umbinden gern mal ins Auge."

Überraschend ist auch der empfohlene Aperitif: kein Anis, sondern Kümmelschnaps als Cocktailbasis. Mag man das als Gruß an Hamburg verstehen, beim Essen geht die Weltläufigkeit allerdings ein bisschen weit. Alle vier kalten Vorspeisen bestehen aus rohem Fisch. Wahrscheinlich weil der Gründungsküchenchef Mexikaner ist. Darum ist man mit seiner Ceviche auch gut beraten. Dank der Apfelstücke und der süßlichen Marinade erinnert sie an Matjes.

Die warmen Speisen wirken griechischer, aber nur halbgöttlich. Die in Ouzo flambierten Garnelen sind übergart, dafür aber sehr schmackhaft. Der geschmorten Lammschulter fehlt würdige Begleitung. Der kalte Auberginenkaviar und die knusprigen Pita-Ecken fanden vielleicht auch auf den Teller, um den Aufwand überschaubar zu halten. Wie gut diese Küche werden kann, verrät nur das Giouvetsi, eine Art Risotto aus kleinen Nudeln und Meeresfrüchten. Der exakt gegrillte Oktopus, die frischen, tiefen Aromen von Basilikum, Petersilie und Zitrone – mehr Griechenland bekommt man nicht auf eine Gabel.

Was den Speisen an Patriotismus fehlt, macht die Weinkarte wett. "Nur Topware", beteuert der Kellner, und alles aus Griechenland.

"Probier mal den, der ist noch ganz jung!"

"Steht da nicht: 2009?"

"Ich meinte, er war nur ganz kurz im Holzfass."

"Pardon, der schmeckt ein bisschen faulig."

"Stimmt. Jetzt mag ich ihn auch nicht mehr."

Macht nichts, denn die übrigen Weine sind wirklich top. Und wer den Chef zu fassen bekommt, wird auch sachkundig beraten.

Michalis Josing, der Mann mit der Mega-Brille, ist einer der schillerndsten Charaktere der Hamburger Gastronomie. Er kann mitreißend schimpfen über Hellas-Klischees, die nutzlos im Weg stehen wie Gipssäulen im Wellnesstempel. Über antriebslose Landsleute und Gäste, die nichts sehnlicher erwarten als den Ouzo aufs Haus. Dabei gehe doch so viel mehr. Den Mexikaner hat er mittlerweile "runtergestuft"; die Küche soll griechischer werden. Vielleicht bis hin zu einer ironischen Olympiaplatte – in klein und fein, versteht sich. Zum Abschluss spendiert er dann keinen seiner vierzig Ouzos, sondern einen Süßwein. Und er macht es so, dass man nicht denkt, seine Großzügigkeit sei Routine.

The Greek, Vorsetzen 53, Tel. 31 80 73 70. Geöffnet täglich von 12 bis 24 Uhr. Hauptgerichte um 25 Euro