Tief in der Erde schlummern sie: Murmeltiere, Siebenschläfer, Feldhamster, Haselmäuse. Seit Monaten haben sie sich kaum gerührt, aber in den nächsten Wochen werden sie nach und nach ihre Nasen aus den Höhlen recken, Frühlingsluft schnuppern und kräftig gähnen. Zack ist es vorbei mit dem Winterschlaf.

In ihre unterirdischen Schlafkammern dringt kein Sonnenstrahl, und bis sich der kalte Erdboden aufwärmt, wird es noch eine Weile dauern. Was also weckt die Winterschläfer? "Tiere haben eine innere Uhr", sagt Thomas Ruf. Er ist Biologe und erforscht in Wien den Winterschlaf. "Wir wissen noch nicht genau, wie sie es machen, aber Winterschläfer wissen ziemlich exakt, wie lang ein Jahr ist und wann es Zeit wird, aufzustehen."

Einmal erwacht, treibt die Tiere vor allem eins um: die Futtersuche. Denn für manche Arten sind die Monate in ihrem Winterquartier eine einzige lange Fastenzeit. Keinen Krümel rühren sie an, sondern leben allein von ihren Fettreserven. Murmeltiere können so ein gutes halbes Jahr überstehen, Siebenschläfer sogar acht bis neun Monate. Feldhamster legen in ihrem Bau zwar einen Vorrat an Körnern an, von dem sie im Notfall naschen können, und auch Igel wachen manchmal auf und gehen auf Futtersuche. Trotzdem ist es erstaunlich, mit wie wenig Nahrung all diese Tiere im Winter auskommen.

Dass ihnen das gelingt, liegt an einer Art Energiesparmodus, den sie einschalten können: Ihre Körpertemperatur fällt stark ab – beim Siebenschläfer sogar fast auf null Grad Celsius –, das Herz schlägt nur noch ein paarmal pro Minute, und auch die Atmung verlangsamt sich. "Wenn man die Tiere so sieht, könnte man sie glatt für tot halten", sagt der Biologe Thomas Ruf. Sind sie aber nicht – und genau hier liegt der Zweck des Winterschlafs: Durch ihn können die Tiere eine Jahreszeit überstehen, in der sie sonst den sicheren Kälte- oder Hungertod sterben würden.

Die ganze Zeit schlafen die Tiere übrigens nicht. Alle paar Tage oder Wochen wachen sie auf. Dafür müssen sie ihren Körper kräftig aufheizen, was unglaublich viel Energie kostet. Warum sie auf diese Weise wertvolles Körperfett verbrennen, darüber rätseln Forscher in aller Welt. Manche Tiere nutzen die Schlafpause, um pinkeln zu gehen, "in den unterirdischen Gangsystemen gibt es oft eine extra Klo-Kammer", so Ruf. Aber dass sie mal müssen, ist wohl nicht der eigentliche Grund für ihr Erwachen. Wahrscheinlicher ist, dass der Energiesparmodus auf Dauer schlecht fürs Gehirn ist.

Eine Kollegin von Thomas Ruf hat Erdhörnchen für ein Experiment beigebracht, sich in einem Labyrinth zurechtzufinden, um an Futter zu kommen. Einige Tiere schickte sie danach in den Winterschlaf, die anderen blieben wach. Während die zweite Gruppe die Aufgabe auch nach Monaten noch meistern konnte, hatten die Winterschläfer alles verlernt. Offenbar hat ihr Gedächtnis gelitten. "Vermutlich muss das Gehirn während des Winterschlafs hin und wieder aufgewärmt werden, damit die Tiere nicht noch schlimmere Schäden davontragen", vermutet Ruf.

Sobald sie sich satt gefressen haben, widmen sich Winterschläfer ihrem zweitliebsten Thema: der Paarung. Dafür bleibt nämlich weniger Zeit, wenn man so lange schläft. Bis zum Herbst haben sie höchstes ein halbes Jahr, um einen Partner zu finden, Junge zu zeugen, den Nachwuchs aufzuziehen und so gut zu füttern, dass der sich auch mit einer ordentlichen Speckschicht für den Winterschlaf hinlegen kann. Männliche Erdhörnchen erwachen extra ein paar Wochen früher als die Weibchen, um sich für die Paarung fit zu machen. Während des langen, kalten Winters schrumpelt zwischen ihren Beinen nämlich alles zusammen und muss erst wieder nachwachsen.

Und wenn Siebenschläfer nach dem Aufwachen feststellen, dass sie in diesem Jahr zu wenig fetthaltige Nahrung finden werden, lassen sie die Paarung gleich ganz bleiben. Dann schlagen sie sich nur einmal den Bauch voll und legen sich wieder aufs Ohr. In solchen Jahren verschlafen sie locker elfeinhalb von zwölf Monaten.

Das können sie sich leisten, denn der Winterschlaf hält sie jung. Gut 13 Jahre alt können Siebenschläfer werden, das ist enorm viel für so ein kleines Tier. Auf ein Jahr, das sie mehr oder weniger verpennen, kommt es dann auch nicht mehr an.