Eigenlob stinkt, gewiss, gerade, hach, in Zeiten wie diesen, aber manchmal geht es eben nicht anders. Recherchen des neuen Investigativbiesterpools von ZEIT, Mein Pferd und Deutschem Bühnenverein enthüllen nun Unglaubliches: Im holsteinischen Bad Segeberg, bekannt durch seine Karl-May-Spiele, wird vom 24. Juni bis 3. September ein Trainingscamp der SPD zur Abschaffung der Agenda 2010 eingerichtet. Konspirativ natürlich, so kurz vor der Bundestagswahl kann Martin Schulz es sich nicht leisten, zu Wahlkampfmethoden à la Russki-Leaks zu greifen. Getarnt ist die Aktion als Neuinszenierung von Old Surehand, der Karl-May-Leser erinnert sich: Good Old Suri, der Sohn von Kolma Puschi, der Bruder Apanatschkas, der Neffe von Tokbela und Ikwehtsi’pa, über den es heißt, selbst im Schlaf liege auf seinem Gesicht "der Ausdruck jener Energie, ohne welche ein guter Westmann undenkbar ist". Energetisches Schlafen hat bei der SPD zuletzt ja nicht so toll funktioniert, weshalb alle Westmänner jetzt von Suri-Schulzi persönlich in die Vertikale gehievt wurden. Als Komparsen sollen sie sich in Good Old Segeberg nun hauptsächlich am neuen Arbeitslosengeld Q üben.

Die restlichen Hauptpartien in dem beliebten Freilichtspiel sind natürlich alle vergeben. An den edlen Siggi G. (als Winnetou), die unerschrockene Andrea N. (als Lea-tsina, die Weiße Feder) und fest an Gerhard Sch. a. D. (in seiner Paraderolle als eiskalter General Douglas). Die Komparsen mimen Soldaten, Gangster, Indianerkrieger, Saloonladys und Siedler, das Alter liegt bei mindestens 16 und höchstens 60 Jahren. Letzteres dürfte parteiintern ein gewisses Problem darstellen, zumal die individuelle Fitness bei einem Casting unter Beweis gestellt werden muss. So’n bisschen Couch-Potato-Grillen am Lagerfeuer, Genossinnen und Genossen, genügt nicht. Mit dem Q wie Quali ist es blutiger Ernst! Immerhin können die Westmänner und -frauen beim Eingangstest zwischen Probe-Schlägern und Probe-Tanzen wählen, der Suri ist ja kein Unmensch. Und wenn man mal den Stundenlohn ausrechnet für vier Wochen Proben und 72 Vorstellungen, kommt man bei 3.300 Euro brutto für alles auf 6,54 Euro – zukunftsweisende 2,30 Euro weniger als der derzeitige gesetzliche Mindestlohn.

Sollte Good Old Schulzi seiner Rolle jetzt noch insoweit gerecht werden, als er sein "braunes, seidenweiches Haar" wie einen "Schleier" bis zum Gürtel hinabwachsen lässt, wird es bestimmt ein unvergesslicher Sommer.

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