Märchen sind immer auch Maskeraden. Jemand verkleidet sich, jemand anderes sitzt der Verwandlung auf, und am Ende sind alle geläutert.

Ob mehr Männer oder mehr Frauen kulturell gewinnbringende Metamorphosen durchlaufen, daraufhin müssten die Bestände der Weltfolklore statistisch geprüft werden. Aber die intuitive Einsicht ist, dass der Mann der moralischen Umwandlung mehr bedarf als die Frau. Entsprechend ist im Disney-Blockbuster Die Schöne und das Biest (Kinostart: 16. März; Regie: Bill Condon) der Mann das wilde Geschöpf, das durchs Zusammenleben mit der Frau zivilisiert wird.

Dies gilt jedenfalls auf den ersten Blick. Bei genauerem Hinschaun stellt man fest: Das sogenannte Biest ist eine Mischung aus Kulturbürger und Paarhufer, belesen und zugleich wehrhaft. Ein Mann, der im Salon Shakespeare studiert und im Wald Wolfsrudel verprügelt. Statt passiv-aggressiver Triebstauung steht dieser Typ zu seinen Affekten, und gleichzeitig weiß er, was er einer Lady schuldig ist. Eine exzellent sortierte Schlossbibliothek zum Beispiel und bei Bedarf ein Tänzchen im fußballfeldgroßen Ballsaal (man residiert, unbehelligt von Quadratmeterpreisen und Maklerkosten).

Die Statur eines Preisboxers, der Bart eines sehr virilen Hipsters und dazu diese Hufe, die, wenn sie übers Parkett klappern, klingen wie die High Heels einer zornigen Staranwältin auf dem Weg zum Plädoyer – diese Gentlemanbestie verschiebt die Gendergrenzen in Richtung einer märchenhaften Versöhnung von Mann und Frau. Schade, dass sie am Ende zurückverzaubert wird in einen glatt rasierten Galan. Nicht umsonst sagt die Filmschöne, gespielt von der feministisch aktiven Emma Watson: "Was hältst du davon, dir einen Bart stehen zu lassen?"

Bei Kong: Skull Island, dem zweiten aktuellen Genrewerk mit haariger Hauptfigur (Regie: Jordan Vogt-Roberts, eigentlich ein Spezialist für schräge TV-Serien wie You’re the Worst), entfällt das Verwandlungstheater. Die Paarbildung funktioniert trotzdem. Da stehen sich in einer Szene die Heldin, eine Fotojournalistin, und der Riesenaffe gegenüber – sie auf der Spitze eines Felsens, er fest auf dem Boden der Dschungeltatsachen – und tauschen einen Blick, derart innig, dass ihnen Tränen in die Augen steigen. So geht das Sich-Erkennen, wenn einem das entfremdete Bewusstsein nicht dazwischenfunkt. Jenseits geschlechtsidentischer Machtfragen darf der Mann hier einfach mal der King sein, groß, tapfer und stark.

Deshalb gibt es auch das klassische Motiv: sie auf seiner Pranke sitzend wie in einer gigantischen Sofalandschaft, er fürsorglich schnaubend. Macker hat Frau in der Hand – im Kino kann das ein glücklicher Moment sein.