Europa hat Hunger auf Palmöl, und die Welt leidet darunter. Obwohl das nicht neu ist, dauerte es bis zur vergangenen Woche, dass der Umweltausschuss des EU-Parlaments den ersten Bericht zum Thema verabschiedete. Er fordert darin, im Jahr 2020 nur noch als nachhaltig zertifiziertes Palmöl einzuführen. Aber Zertifikaten zu vertrauen, das reicht nicht.

Der phänomenale Aufstieg des festen, farb- und geruchslosen Fetts begann vor weniger als 20 Jahren. Die Lebensmittel- und Gebrauchswarenindustrie steckte den Zauberstoff in Pizza, Lippenstift, Nutella und Kerzen. Für Produzenten in Malaysia und Indonesien war das ein Segen. Eine Win-win-Situation für alle? Leider nicht. Denn die Gier der Welt nach Palmöl hat zur größten Abholzung geführt, die dieser Planet in diesem Jahrtausend erlebt hat: Biologische Vielfalt geht verloren, indigene Gemeinschaften sterben, gigantische CO₂-Mengen entweichen.

Nun ist Palmöl nicht per se böse – aber seine gegenwärtige Produktionsweise ist katastrophal. Zertifikate, die es als nachhaltig ausweisen, machen falsche Versprechungen. Denn ihre Regeln sind lasch. Bei den Mengen, die derzeit auf dem Weltmarkt gehandelt werden, gibt es gar keine Alternative zu den grünen Palmenwüsten.

Die sind effizient, vor allem zu Beginn. Anfangs steckt der Boden, oft aufgrund von Brandrohdung, voller Nährstoffe. Die Palmen wachsen schnell und liefern nach vier bis fünf Jahren gute Erträge. Für die Plantagenbesitzer, häufig global agierende Konzerne mit Sitz in Malaysia, China oder Hongkong, lohnt sich das. Noch. Denn bislang sind die südostasiatischen Hauptanbaugebiete von der Plage jeder Monokultur verschont geblieben: resistenten Krankheitserregern. Die größte Gefahr ist der Pilz Fusarium, der im Boden steckt, an Werkzeugen und Schuhsohlen haftet, immun gegen jedes Fungizid ist und in vielen Regionen Westafrikas – der Heimat der Ölpalme – den Anbau unmöglich macht. Warum sollte Fusarium es nicht nach Südostasien schaffen? Ein kontaminierter Samen würde für eine Epidemie ausreichen. Auf Plantagen, von denen manche die Ausmaße deutscher Bundesländer haben ...

Gegen Pilz und Raubbau hilft gleichermaßen: Mäßigung, und zwar zuerst bei uns. Als Erstes müssen wir aufhören, Palmöl in Treibstoff zu mischen. Heute landet fast die Hälfte der Importmenge im Tank – irre! Zweitens müssen die Zertifizierer auf strengere Kriterien verpflichtet werden und wir auf deren Labels. Europa ist immerhin der zweitgrößte Importeur der Welt. Würden wir uns mäßigen und die Einfuhr nicht nachhaltig hergestellten Öls verbieten, wäre das mehr als ein Symbol. Die verbleibenden Wälder würde es schützen, die Artenvielfalt stärken, das Risiko einer Epidemie mindern – und damit langfristig den Nachschub an Palmöl sichern. Das könnte man dann zu Recht nachhaltig nennen.