Am Sonntag ist Kai Markus Xiong nach Shanghai aufgebrochen. Er joggt in die chinesische Partnerstadt Hamburgs, nach eigener Aussage, "um Vorurteile abzubauen".

Wessen Vorurteile gemeint sind, ist bislang unklar. Sind es die Vorbehalte Chinas gegenüber der Einhaltung von Menschenrechten? Oder ist es die Zurückhaltung Deutschlands bei Chinas Familienpolitik (zwei Kinder nur mit staatlicher Erlaubnis)?

Olaf Scholz überreichte Herrn Xiong ein offizielles Hamburg-Shirt für den Toleranz-Marathon, der Erste Bürgermeister ist Schirmherr des Projekts. Viel Verantwortung, und sie wiegt schwer.

Auszüge aus Scholz’ Tagebuch:

Dezember 2016: "Anfrage von diesem Xiong, er will nach Shanghai laufen. Shanghai! Zum Glück joggt er nicht nach St. Petersburg, auch unsere Partnerstadt, aber Geburtsort von Putin. Dann hätte es geheißen, das ist ein Wahlkampfrennen, der Scholz läuft sich warm für Rot-Rot-Grün."

Januar 2017: "Xiong lässt nicht locker. Warum nicht unsere Partnerstadt Prag?, habe ich gefragt. 649 Kilometer, das schafft er in einer Woche, und wir machen hier unterdessen was Nettes mit Kafka, Gregor-Samsa-Wochen im Thalia oder so, dem Brosda fällt sicher was ein."

Februar 2017: "Dresden. Dieses Jahr 40. Partnerstadt-Jubiläum. Aber nein, Dresden ist zu konventionell, zu nah. Mann!"

März 2017: "Also Shanghai. Schade. Osaka wär besser gewesen. Osaka-Allee, HafenCity, die Ecke ist so was von tot. Ein bisschen Promo hätte nicht geschadet."