Der Name sei schuld, sagt Peter Hartz. Hieße er nämlich Leutheusser-Schnarrenberger oder Kramp-Karrenbauer, er wäre nie so tief gefallen. Aus einem Doppelnamen mit fünf, sechs oder sieben Silben lässt sich kein Verb wie "hartzen" ableiten und auch kein Titel für eine Sozialleistung wie "Hartz IV". Doch der frühere VW-Manager, Kanzlerberater und Arbeitsmarktreformer hat einen kurzen Nachnamen, den sich jeder merken kann. Deshalb wird der 75-Jährige noch lange Unmut auf sich ziehen. Groll, der eigentlich den Sozialreformen von Altkanzler Gerhard Schröder gilt, die Hartz höchstens teilweise zu verantworten hat.

So wird es auch am kommenden Wochenende laufen. Wenn die SPD auf ihrem Parteitag in Berlin Martin Schulz zum Kanzlerkandidaten kürt, wird Peter Hartz nicht physisch anwesend, aber dennoch allgegenwärtig sein. Sein kurzer Name wird in jeder langen Rede fallen. Als Inbegriff dessen, was die SPD in eine jahrelange Krise stürzte. Was ihren Markenkern, die soziale Gerechtigkeit, zerstörte. Ohne ihn gäbe es wahrscheinlich die Partei Die Linke nicht.

Wie geht es Peter Hartz damit? Was denkt er über den Höhenflug der SPD? Und warum kann er es nicht lassen, sich trotz aller Enttäuschungen wieder in die Politik einzumischen und der Partei treu zu bleiben, in der er für so viele der Buhmann ist?

Zwei Wochen vor dem Parteitag sitzt Hartz, leicht gebräunter Teint, grauer Anzug mit offenem weißen Hemd, bei seinem Lieblingsitaliener in Saarbrücken, er wirkt entspannt und hat erstaunlich gute Laune. Dabei macht seine Partei, die SPD, es ihm eigentlich nicht leicht. Später am Abend wird er in einem Bierzelt in seinem Heimatort hocken und Rednern zuhören, die gegen seine angeblich neoliberalen Arbeitsmarktideen wettern. Der neue Parteichef Martin Schulz hat sich von der Agenda 2010 distanziert.

Und Hartz? Freut sich, dass Bewegung in die Arbeitsmarktpolitik kommt. Er will ja selbst auch die mehr als zehn Jahre alten Hartz-Gesetze verändern, möchte mehr für Langzeitarbeitslose und Jugendliche tun. Und dann gibt es noch eine Initiative für die Altersgruppe zwischen 70 und 95, die er ebenfalls für den Arbeitsmarkt gewinnen will und die er "Longinos" nennt. Er selbst sei mit 75 Jahren noch ein "Longino Junior".

Das ist eine typische Hartz-Wortschöpfung, sie erinnert an die "Aktivierung", von der in der Agenda 2010 ständig die Rede war, und an die "Ich-AG", die Hartz für ehemals arbeitslose Selbstständige erfand. Auch an dieser Stelle würde er heute nur zu gern nachbessern. Beim Mittagessen in Saarbrücken spricht er über "Tools" und "Incentives" und klingt dabei, als wäre er immer noch Personalvorstand bei Volkswagen. Nicht bloß ein Longino Junior.

Hartz würde seine neuen Reformideen am liebsten anonym vorstellen

In den neunziger Jahren nannten sie Hartz bei VW wegen seiner vielen Ideen "Daniel Düsentrieb". Damals erfand er die Viertagewoche, um die Jobs von mehr als 30.000 Mitarbeitern zu retten, Er hantierte damals schon mit plakativen Formeln wie 5000 x 5000, einer Initiative, die ihm erlaubte, neue Mitarbeiter außerhalb des gültigen Tarifvertrages anzuheuern. Im Konzern galt er als Nummer zwei hinter dem damaligen VW-Boss Ferdinand Piëch, als Mann, der geschickt die Interessen der mächtigen IG Metall und des Betriebsrats mit denen des Managements austarierte.

Erst später wurde bekannt, dass Hartz das Wohlwollen der Arbeitnehmervertreter auch mit großzügigen Spesen und Lustreisen auf Firmenkosten erkauft hatte. Er wurde zu zwei Jahren Haft auf Bewährung und einer Geldstrafe von einer halben Million Euro verurteilt.