Werbung ist voller Poesie. So war das auch bei dem kleinen Booklet, das mir Leserin Franziska R. aus Berlin zuschickte und das mir zeigte, was mit Sprache alles möglich ist. Können Sie anhand der Beschreibungen erraten, um welchen Gegenstand es sich handelt?

"Kaum ein anderes Accessoire ist so wichtig für den perfekten Style", las ich interessiert. Und weiter: "Ihrem Umfeld vermitteln Sie die Coolness und Dynamik eines Machers." Endlich bekam ich die Chance, von meiner Umwelt nicht länger als hässlicher, nörgelnder Wicht wahrgenommen zu werden. Und was meinen Sie, womit: einer Uhr? Schuhen? Einer Brille? Schmuck? Oder einer hübschen Herrengelenktasche?

Falsch. Es war nur: der I-CLIP. Ein Mittelding aus Geldklammer und Kartenetui. Das aber "die Dynamik eines Hochleistungssportwagens verkörpert" und offenbar für Menschen gedacht ist, die goldene Kreditkarten noch immer für ein Statussymbol halten. Mit dem Ding könne ich, schreibt der Hersteller, "in 0,5 Sekunden auf 100 Prozent Bezahlperformance" kommen. Aber ist es wirklich sinnvoll, allen Krempel zu bezahlen, ohne auch nur eine Sekunde lang nachzudenken?

Immerhin: Wer online bestellt, bekommt auf Wunsch einen Organspendeausweis gratis dazu (kein Witz!). Im Laden kann man sich aber die Sache mit der Coolness noch einmal persönlich erläutern zu lassen. Die ergibt sich nämlich aus der Gewichtsersparnis gegenüber einem klassischen Portemonnaie. "Sie sind dadurch beweglicher und 70 Gramm leichter als mit einem Geldbeutel. Sie nehmen eine bessere Körperhaltung ein und wirken wesentlich unbeschwerter", schwadroniert der Hersteller.

Was auch daran liegt, dass nach dem Kauf ein paar Scheine weg sind. Pro-Tipp: Wer den Preis in Ein-Cent-Münzen bezahlt, erleichtert sich sogar um sieben Kilo. Und spürt noch besser, wie cool es ist, ein dynamischer Macher mit höchster Bezahlperformance zu sein.