Gastronomische Grundsatzfragen entzweien die Stadt. Darf gefiltertes Leitungswasser 4,20 Euro kosten? Und, nicht ganz so abgestanden: Wo kauft man seinen schnellen Fisch – bei Wischer oder Henssler? Der Fernsehkoch eröffnete seinen Imbiss ausgerechnet im Stammhaus des alteingesessenen Konkurrenten.

Nicht dass man nun bis Altona fahren müsste, um einen ehrlichen Backfisch zu kriegen. Die neue Wischer-Filiale eröffnete gleich gegenüber dem Rathaus. Kaum durch die Tür, bemerkt man schon die Kampagne. Eine meterhohe Suada versichert, dies sei das Original. Wer den Wink nicht versteht, kann auf der Firmenwebsite nachlesen. Dort steht, Hensslers Ahoi sei eine "schlechte Kopie".

Nun kann man sich vieles fragen: Warum dieses Pamphlet erschien, bevor das Ahoi öffnete. Ob Fish ’n’ Chips in Deutschland nicht ohnehin immer Kopie sind. Und ob es nicht doch ein wenig dreist von Henssler war, ausgerechnet damit im Straßenverkauf einfach weiterzumachen.

Man kann sich aber auch erst einmal setzen, was an einem normalen Mittag gar nicht so einfach ist. Ganz schön was los hier. "Das ist doch nix", erwidert die Kellnerin. "Kommen Sie mal an einem Samstag, dann ist hier richtiges Sauauftreiben!" So reden sie hier, Fischhändlercharme, aber oft mit einem Lächeln und immer hilfsbereit.

Die Küche variiert ein einziges Thema: Fischstücke mit Kartoffeln oder Brot. Nicht ein Fleischgang steht auf der Karte. Gemüse findet man praktisch nur als Deko oder Salat.

Die wenigen Zutaten werden dafür umso ernster genommen. Der Backfisch ist nicht einfach irgendeiner, sondern nach Wunsch und Kaufkraft auch mal Goldbarsch oder Kabeljau. Im sehr frischen Krabbenbrötchen übertüncht keine Mayonnaise den Krabbengeschmack. Die Beilagen und Saucen: alle hausgemacht, wenn auch ohne den Ehrgeiz, irgendwie besonders zu schmecken.

Mit den klassischen Gerichten verträgt dieser Stil sich gut. Der hart angebratene Pannfisch (vom Seelachs) bleibt immerhin knusprig unter der feinsauren Senfsauce, die das ersetzt, was ihm an Saftigkeit fehlt. An der Fischsuppe lässt sich nur beanstanden, dass sie eher wie Tomatensuppe mit reichlich Fisch darin schmeckt.

Vorsicht ist ratsam bei allem, was moderner klingt. Die Thunfischwürfel mit Sesam und Soja schaffen es geschmacklich nicht bis nach Asien. Die Calamari kommen noch im Stil der Achtziger als Gummiringe aus der Fritteuse. Das ist der Haken bei einem Fischlokal der alten Schule: Es reicht zurück in eine Zeit, als Fisch noch kein Trendprodukt war, sondern eine günstige Alternative zu Fleisch. Das setzt der Verfeinerung Grenzen.

Wischer und Sushi – undenkbar.

Die Asiaten am Nebentisch verspeisen ihren Backfisch und schauen nur manchmal etwas unsicher herum. Ist das jetzt der Geschmack von Hamburg?, scheinen sie sich zu fragen.

So wie es im Ahoi derzeit am Handwerk fehlt, so fehlt bei Wischer die Ambition, etwas Interessantes zu kochen. Fast möchte man eine Fusion empfehlen. Aber dann hätte man wohl das ganze kulinarische Hamburg gegen sich.

Daniel Wischer am Rathaus, Große Johannisstraße 3, Altstadt. Tel. 30 23 99 90, www.danielwischer.de. Geöffnet montags bis samstags von 11 bis 21 Uhr. Hauptgerichte um 15 Euro