Pädagogen sind nicht lernfaul, können neu Gelerntes aber kaum anwenden. Das zeigt eine repräsentative Befragung von 500 Mint-Lehrkräften, die der ZEIT vorliegt. Durchgeführt hat sie das Meinungsforschungsinstitut Forsa im Auftrag der Deutschen Telekom Stiftung.

Mint ist die Abkürzung für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik, jene Fächer also, die für künftige Fachkräfte in der Industrie und Informationstechnik besonders wichtig sind.

Zwei Drittel der befragten Lehrkräfte gaben an, in den letzten sechs Monaten eine Fortbildung absolviert zu haben, bei knapp einem Fünftel war es innerhalb des letzten Jahres. Beachtlich ist auch die Menge der besuchten Fortbildungen: Ein Viertel der Befragten hat in den letzten zwei Jahren an sechs bis zehn Fortbildungen teilgenommen, knapp die Hälfte an drei bis fünf, zehn Prozent sogar an mehr als zehn.

Und die Lehrer stellten den Fortbildungen ein gutes Zeugnis aus: Gut 80 Prozent von ihnen waren mit ihrer letzten Fortbildung zufrieden oder sogar sehr zufrieden. 90 Prozent fühlten sich zudem von ihrer Schulleitung ausreichend unterstützt.

Das klingt gut, oder?

Schaut man jedoch auf die Wirkung der Fortbildungen, verdunkelt sich das Bild. Nur knapp ein Viertel der befragten Lehrkräfte konnte die Inhalte der letzten Fortbildung umfassend im Unterricht anwenden. Knapp 60 Prozent gaben an, dass das Gelernte lediglich ein bisschen Anwendung gefunden habe.

Die geringe Effektivität der Fortbildungen hat wohl hauptsächlich zwei Ursachen: Sie sind zu kurz, und viele Lehrer besuchen sie alleine statt mit dem Kollegium. Mehr als drei Viertel der Fortbildungen sind nur eintägig. Und obwohl die gemeinsame Teilnahme mit Kollegen von den Befragten als wichtig erachtet wird, nimmt nur ein Fünftel die Fortbildung mit dem gesamten Kollegium wahr. Knapp 40 Prozent besuchen die Fortbildung alleine.

"Lehrkräfte kümmern sich heute sehr viel mehr um ihre berufliche Weiterbildung als noch vor einigen Jahren", sagt Ekkehard Winter, der Geschäftsführer der Telekom Stiftung. "Oft aber leider wenig effektiv: einmalige Impulse, allein und fern der eigenen Schule." Stattdessen sollte die professionelle Entwicklung als fester Bestandteil des Berufsalltags gesehen werden: im Team mit Kollegen, regelmäßig und nah am Unterrichtsalltag.

Die Befragung zeigt immerhin auch, dass das Einzelkämpfertum unter Lehrkräften zurückgeht, allerdings langsam und widersprüchlich. So finden 90 Prozent der Befragten eine gemeinsame Unterrichtsentwicklung im Prinzip sinnvoll. Mehr als zwei Drittel geben an, dass sie diese Zusammenarbeit mit Kollegen auch praktizieren. Allerdings beklagen fast ebenso viele, dass für die gemeinsame Unterrichtsentwicklung häufig die Zeit fehle.

Von allein wird sich jedenfalls nichts ändern. Nur gut ein Fünftel der jungen Lehrkräfte misst der Fortbildung einen großen Stellenwert bei.