Von Cem Özdemir wissen wir Dinge, die wir nie wissen wollten, denn er ließ sie uns wissen. Zum Beispiel dass er in "Dinkeldeutschland" lebt und seine Frau, eine Argentinierin, ihn liebevoll "Hirsekolben" nennt. Da ich selbst aus Dünkeldeutschland stamme und meine Frau, eine Lübeckerin, mich liebevoll "Kommt-schon-wieder-Fußball-im-Fernsehen?" nennt, frage ich mich, was hinter der Verbal-Liebkosung "Hirsekolben" steckt: die verdrängte Sehnsucht nach Wellensittichen oder veganer Sexismus? Das weiß man wohl nur in Dunkeldeutschland, wo man seine Politiker liebevoll "Volksverräter" nennt.

Aber ob man nun als schwäbisch-türkischer Hirsekolben oder als dinkeldeutscher Volksverräter sein Dasein fristet, ist letztlich egal – so glücklich wie ein Norweger wird man eh nie. Das hat nun der neueste Glücksbericht der Vereinten Nationen festgestellt. Allein wer neun Euro für sein Bier bezahlt, ein halbes Jahr die Sonne kaum sieht und den ganzen Tag Rakfisk, stinkenden Faulfisch, essen darf, ist so glücklich wie kein Zweiter. Nur Özdemir kann da mithalten. Welch Segen es ist, kein schwäbisch-türkischer Norweger zu sein. Lieber ein kleiner Hirsekolben als ein großer Faulfisch.