Universitäten wollen um jeden Preis internationaler werden. Leider sprechen die ausländischen Studenten kaum Deutsch. So geht es nicht weiter.

Als Lehrender an einer deutschen Universität ist man immer wieder mit erstaunlichen Dingen konfrontiert. Bei der Prüfung von Hausarbeiten im Masterstudiengang Architektur bekamen wir vor Kurzem folgenden Text zu lesen. "In dieser Abhandlung geht es zunächst um die historische Rolle des trivialen Form aus Kanon und die entsprechende Unverständigkeit. Das Form haben die Bürger immer gesehen aber nie wahrgenommen haben. Einen wesentlichen Beitrag hierzu leistet die Verbindung mit der Moral. Es ist daher zu verdanken, dass nicht recht ernstzunehmenden Popular-Architektur mit allen ihren allzu seriösen Mätzchen ein Moment der Sinnlichkeit entdeckt zu haben."

Als wir von der Verfasserin dieser Zeilen, einer schon über ein Jahr an unserer Universität studierenden chinesischen Studentin, im persönlichen Gespräch wissen wollten, was sie mit dieser offenkundig mithilfe eines Google-Übersetzers erstellten Textpassage eigentlich aussagen wollte, verstand sie nicht einmal unsere Nachfragen. Wie bei etwa knapp der Hälfte unserer ausländischen Studierenden sind ihre Deutschkenntnisse so mangelhaft, dass sie die geforderten Studienleistungen nicht erbringen kann. Ihre Kommilitonen kennen die Situation. Als ein anderer ausländischer Student neulich im Seminar mit seinem Referat begann, verließen zwei Studierende den Raum, weil sie wussten, dass sie für die nächste halbe Stunde ein unverständlicher Vortrag erwartet, der sich zu keinem Zeitpunkt zu einer nachvollziehbaren Argumentation zusammensetzen würde. Der Gedanke liegt nahe, den ausländischen Studierenden vorzuschlagen, ihre Referate auf Englisch zu halten. Doch auch diese Sprache beherrschen viele nicht.

Wie kommt es, dass wir in der Lehre immer öfter mit Menschen konfrontiert sind, die eigentlich nicht studierfähig sind?

Ein fremdsprachiger Bewerber erlangt einen Studienplatz nur, wenn er eine deutsche Sprachprüfung auf dem Niveau C1 erfolgreich bestanden hat und damit nachweisen konnte, anspruchsvolle, längere Texte auch mit impliziten Bedeutungen zu verstehen und sich selber klar, strukturiert und ausführlich zu komplexen Sachverhalten äußern zu können. Aber das ist oft nicht der Fall. Wir haben in einer Stichprobe 20 Studierende, die Sprachprobleme haben, mit einem offiziellen Testverfahren geprüft. 14 von ihnen erreichten nur das Sprachniveau B1. Das bedeutet: Die Hauptpunkte werden verstanden, wenn klare Standardsprache verwendet wird, und der Geprüfte kann sich auf einfache Weise zu vertrauten Themen äußern. Für ein Hochschulstudium ist das völlig ungenügend. Mindestens 300 Stunden Deutschunterricht wären erforderlich, um das eigentlich geforderte Sprachniveau C1 zu erreichen.

Wie aber konnten die Studierenden bei der Bewerbung ein Zertifikat des Sprachniveaus C1 vorweisen, das zwei Stufen über B1 liegt? Entweder haben die Testinstitute ihren Prüflingen Zertifikate ausgestellt für Fähigkeiten, die sie de facto nicht hatten. Oder die Betroffenen haben nach Aufnahme des Studiums in erheblichem Maße ihre Deutschkenntnisse wieder verloren.

Für beide Erklärungen gibt es Indizien: Studieninteressierte, die bei einem Sprachtest durchfallen, wenden sich danach oft an andere Testinstitutionen, zuweilen mit Erfolg. Einige von diesen sind in Fachkreisen dafür bekannt, dass ihre Zertifikate nicht wirklich belastbar sind. Tatsächlich ist es aber auch so, dass sich die Sprachkenntnisse vieler Studierender im Studium wieder verschlechtern. Weil es im Uni-Massenbetrieb viel zu wenige Gelegenheiten zu direkter Kommunikation mit den Dozenten gibt. Und weil sie kaum Kontakt zu Einheimischen haben. "Deutsche Studierende haben kein Interesse an ihren internationalen Kommilitonen. Daher kann Integration nicht funktionieren", lautete eine Einschätzung auf einer Tagung in Hannover, bei der es um ausländische Studierende ging. Was ebenso fehlt, sind Kenntnisse in der jeweiligen Fach- und Wissenschaftssprache. Diese können in der fächerübergreifenden Vorbereitung auf das Studium nur ansatzweise erworben werden.

Die Sprachschwierigkeiten werden verschärft durch mangelnde Kenntnis des kulturellen Kontextes und durch die Andersartigkeit der hiesigen Lehr- und Lernkulturen. In der Summe sind die Defizite schließlich zu groß, um sie durch seitens der Hochschulleitungen vorgesehene Maßnahmen wie Sprachkurse zu überwinden.

Auf diese Probleme angesprochen, antwortet die Verantwortliche einer Universitätsverwaltung: "Das Studierendensekretariat kann nur die Vorlage eines Sprachnachweises, nicht aber die Sprachkompetenzen überprüfen. Daher wird es vermutlich bei diesem Dilemma bleiben." Eine höhere Anforderung an die Sprachkenntnisse befürwortet sie dennoch nicht, "da ein Alleingang der Universität im Bundesvergleich zu Nachteilen führen würde. Dies hätte dem strategischen Ziel der Internationalisierung widersprochen, die Anzahl ausländischer Studierender zu erhöhen." An ihrer Universität sei man mit einem entsprechenden Versuch in einem Studiengang gescheitert. Nach zwei Jahren wurden die Anforderungen wieder auf das übliche Niveau gesenkt, weil die erhoffte Zahl an ausländischen Studierenden nicht annähernd erreicht wurde. Die strategischen Ziele der Internationalisierung wurden jeweils in einem Fünfjahresplan von den Universitätsleitung festgelegt – in enger Abstimmung mit den Vorgaben des Landes. Werden die vereinbarten Zielzahlen der Studienanfänger nicht erreicht, droht laut der Verwaltungsangestellten eine Kürzung der Mittel.