DIE ZEIT: Kuno Lauener, wie fühlt man sich als unfreiwilliger Posterboy der Weltwoche?

Kuno Lauener: Schräg. Wir hörten, dass sie was über uns machen wollten, erfuhren dann plötzlich, dass sie im Unterschied zu den anderen Medien nicht bis zu unseren Interviewterminen warten wollten, und alte Weggenossen angefragt hatten, über die Vergangenheit zu schreiben. Das Foto fürs Titelbild haben wir ihnen geschickt, weil sie sonst wohl irgendein altes Bild genommen hätten. Als ich mich dann in den Skiferien am Kiosk sah, unter dem Weltwoche- Logo, fühlte es sich schon kurz scheiße an.

ZEIT: Was haben Sie getan?

Lauener: Ich zuckte zusammen, kaufte ein Exemplar – und fand es beruhigend und tröstlich, dass die Kioskfrau überhaupt nicht bemerkte, dass ich der Typ auf dem Cover war. Für mich war die Sache damit gegessen, ein Teil meiner Bandkollegen wollte aber, dass wir uns von der ganzen Story distanzieren, weshalb wir dann ein Statement abgegeben haben.

ZEIT: Die öffentliche Wahrnehmung liegt Züri West sehr am Herzen. Sie haben kaum je an einer Samstagabend-Sendung teilgenommen.

Lauener: Ich glaube, wenn man als Band in Kisten wie I schänke dir es Lied landet, ist es nicht mehr gut. Mir jedenfalls wäre es ein Gräuel, in einer Sendung aufzutreten, in der nur geheult wird.

ZEIT: Trotzdem haben Sie Ihr Comeback im Fernsehen gegeben. Bei der Gala-Show der Swiss Music Awards haben Sie den neuen Song Schachtar gäge Gent zum ersten Mal gesungen.

Lauener: Wir sind immer noch eine Indie-Band und haben kein Geld. Unser Budget ist beschränkt, deshalb müssen wir Promo-Auftritte machen und uns in solche Schaufenster reinstellen, wenn wir etwas Neues auf den Markt bringen. Als ich auf der Bühne stand, sah ich vor mir Teenies, die auf ihren Smartphones rumtöggelten und sich wohl fragten, wer diese älteren Herren mit den Holzgitarren seien. Irgendwie schräg. Ich komme mir auf einer solchen Veranstaltung allmählich vor wie Krokus.

ZEIT: Ihr neues Album heißt Love, aber in den Songs wird nicht die Liebe großgeschrieben, sondern deren Ende.

Lauener: Das Album enthält viele Trennungsgeschichten. Als uns das bewusst wurde, klebte unser neuer Bassist Wolfgang Zwiauer mit Isolierband das Wort "Love" an die Wand, so als Witz. Der Sarkasmus hat uns gefallen. Aber nicht nur das: Der Titel passt ja auch, denn zur Liebe gehört immer auch ein Ende.

ZEIT: Ist Ihnen selber eine Liebe zerbrochen, wie im Song Glück & Glas ?

Lauener: Schon mehrfach, ja. Aber das sind alte Geschichten. Meine Freundin und ich haben eine super Beziehung, es wäre falsch, von den traurigen Texten auf mein aktuelles Leben zu schließen.

ZEIT: Das heißt, Sie zehrten beim Schreiben von früheren Geschichten?

Lauener: Ich habe Mühe, unmittelbar zu sein mit einem Text. Oft brauche ich Distanz zu einem Ereignis. Oder lasse mich von einer Secondhand-Story inspirieren, die mich dann an eine eigene Geschichte erinnert.

ZEIT: Eine Trennung gab es bei Züri West tatsächlich: Tom Etter, ihr langjähriger Gitarrist, ist nicht mehr in der Band. Warum?

Lauener: Es hat sich so ergeben: Nach der letzten Tour wurde ich nochmals Vater und nahm mir eine Auszeit. Songs zu schreiben hatte für mich keine Priorität, alle verfolgten andere Projekte. Und weil wir manchmal eine komplizierte Band sind, kamen wir an den Punkt, wo sich die Wege trennten.

ZEIT: Warum ist Züri West eine komplizierte Band?

Lauener: Wir sind nicht schnell in den Entscheidungen, nehmen uns vielleicht manchmal auch zu wichtig, weil Züri West draufsteht.

ZEIT: War der Besetzungswechsel auch Grund für die Funkstille? Fünf Jahre sind eine lange Zeit.

Lauener: Die Zeit vergeht schnell, wenn man kleine Kinder hat. Und die hielten mich auf Trab. Nach meiner Tochter kam vor drei Jahren Sohn Emil zur Welt. Für Züri West bleiben uns da drei Tage die Woche Zeit, mehr lassen Kinder und Nebenjobs im Moment einfach nicht zu. Das bedeutet auch, dass wir nicht mehr so schnell vorwärtskommen, wenn wir an neuen Songs arbeiten.

ZEIT: Als schnelle Band galten Sie bereits vorher nicht.

Lauener: Ich weiß. Ich lerne bis heute, mich zu disziplinieren. Und die Kinder mit ihren weltlichen Problemen holen mich aus dem Grübeln raus. Diese Real-Life-Erfahrung tut mir sehr gut, hat aber den Nachteil, dass das freie Leben des Songwriters vorbei ist.

ZEIT: Zu einem Lied haben sie die Kinder offensichtlich inspiriert: In Chliine Brueder schildern Sie, wohin Eifersucht führen kann. Geht es im Hause Lauener so schlimm zu und her?