Was kann man tun, um ein sündteures und wenig effizientes Organisationsgefüge wie das österreichische Bildungssystem zu optimieren? Man bereichert es um einen neuen Begriff: Schulcluster. Bis zu acht benachbarte Schulen sollen sich zu einem Verbund zusammenschließen – oder "von Amts wegen" zusammengeschlossen werden – um gemeinsam Projekte und Schwerpunkte zu entwickeln sowie das Lehrpersonal flexibler einsetzen zu können. Sowohl im Ministerratsvortrag der Arbeitsgruppe Bildung vom Oktober 2016 als auch im "Plan A" von Bundeskanzler Kern wurden Cluster als wichtiger Schritt in Richtung Schulautonomie bezeichnet. Im Gesetzesentwurf des Autonomiepakets gelten Cluster als "nicht verhandelbarer Eckpunkt". Worin ihre Wichtigkeit besteht, wird allerdings nirgendwo ersichtlich.

Unter den bisherigen Reaktionen dominiert daher auch die Skepsis. Niemandem scheinen Schulcluster bisher gefehlt zu haben. Die Lehrergewerkschaft hat wieder ihre traditionelle Position bezogen: Cluster hin, Cluster her, jede Veränderung des Status quo müsse "abgegolten" werden. Nach bewährter Methode wurden dem Ministerium in endlosen Sitzungen Zulagen für die Leitung dieses Novums abgetrotzt sowie der Fortbestand der Zulagen für die zu Bereichsleitern "degradierten" Ex-Direktoren von geclusterten Schulen abgerungen. Damit nicht genug. Da das Autonomiepaket von der Regierung zum Prestigeprojekt hochgejubelt wurde, sieht die gegenwärtige Führung der Lehrergewerkschaft, die nach dem Abgang des Betonierers Fritz Neugebauer als leichtgewichtig gilt, jetzt die Chance, wieder Stärke zu zeigen. Für ihre "sozialpartnerschaftliche Zustimmung" will sie so viel herausholen wie nur möglich.

Österreichs Schulsystem ist im OECD-Vergleich sehr kostspielig. Dass mehr als drei Viertel der Pflichtschulen weniger als 200 Schüler haben und deshalb betriebswirtschaftlich nur sehr aufwendig zu führen sind, ist einer der Nebeneffekte der alpinen Siedlungsgeografie. Es war aber schon bisher möglich, dass Schulleitungen benachbarter Kleinschulen und ihre Gemeinden kooperieren und Synergien nutzen. Warum die Bezirksschul- inspektoren bisher nicht mehr dazu getan haben, um regionale Netzwerke von Kleinschulen aufzubauen, bleibt eine unbeantwortete Frage.

Vieles am Autonomiepaket, insbesondere an den Schulclustern, wirkt unausgereift und widersprüchlich. Es drängt sich der Verdacht auf, dass es sich um eine Ersatzmaßnahme handelt. Es soll Aufmerksamkeit auf einen Nebenschauplatz gezogen werden, um davon abzulenken, dass bei wichtigeren Problemen der Bildungsreform nichts weitergeht.

Unter "mehr Schulautonomie" wird laut OECD die Ausweitung der Selbstbestimmung und -verantwortung der einzelnen Schulen verstanden. Es geht dabei um die Aufwertung von basisdemokratischen, kollektiv entscheidenden und kollektiv verantwortlichen Gremien wie den aus Leitung, Lehrer- und Elternvertretern bestehenden Schulforen. Das bedeutet also nicht, wie in Österreich beabsichtigt, die Ausweitung der autokratischen Machtbefugnisse einer Clusterleitung. Anstatt die pädagogische Kreativität der Teams an den Standorten zu stärken, soll in Österreich nun gelten: Die Clusterleitung übernimmt die Aufgaben der bisherigen Schulleitungen.

Die Cluster-Initiatoren übersehen aber, dass Schulen keine Dienststellen der Verwaltung sind, sondern soziale Systeme mit einem standortspezifischen Betriebsklima und einer gewachsenen Identität. Wie kann ein Außenstehender, der einen erheblichen Teil seiner Arbeitszeit als Pendler zwischen acht Schulen verbringt, in deren komplexes Innenleben sensibel, verantwortungsvoll und, was im schulischen Alltag oft notwendig ist, rasch eingreifen?

Zudem schaffen die Autoren des Entwurfs durch einen schlampigen Umgang mit Begriffen eine neue Unübersichtlichkeit. Ein Cluster soll auf dem Land "Bildungsregion", in Städten "Bildungscampus" heißen. Hundertfach wird sich die Frage stellen: Müssen alle Schulen einer Region einem Cluster angehören oder dürfen, wenn die Verclusterung freiwillig ist, mittendrin einzelne Schulen weiterhin mehr oder weniger autonom existieren? Außerdem soll es in Ergänzung zu den Schulclustern auch noch "Clusterverbünde", also quasi Cluster-Cluster, geben. Der Sinn dieser mysteriösen "Plattformen für alle Bildungseinrichtungen zur Koordination der Bildungsthemen innerhalb einer Region" bleibt hingegen ein Rätsel, das nicht näher erläutert wird. Ebenso, wer sie leiten soll.

Die willkürliche Begrenzung der Cluster auf acht Schulen erinnert fatal an das ebenfalls aus der Luft gegriffene 15-Prozent-Limit für die Beteiligung von Schulen an sogenannten Sekundarstufe-I-Modellregionen, also den geplanten Gesamtschulversuchen, um die es in letzter Zeit auffällig still geworden ist.

Vor allem eins: kontraproduktiv

Beide Initiativen tragen die Handschrift des bildungspolitischen Trachtenpärchens der gegenwärtigen Koalitionsregierung, SPÖ-Bildungsministerin Sonja Hammerschmid und ÖVP-Staatssekretär Harald Mahrer. Beide müssten wissen, dass Cluster irrelevant sind für die Lösung des Grundproblems des Schulwesens: der verfrühten Selektion und der daraus resultierenden sozialen Segregation.

Staatssekretär Mahrer lehnt in traditioneller ÖVP-Manier eine Gesamtschule ohne jegliche wissenschaftliche Begründung einfach ab. Sein roter Konterpart unterlässt es, ihn mit den in den nationalen Bildungsberichten immer wieder aufgezeigten Mängeln der frühen Auslese zu konfrontieren und zu einem bildungspolitischen Offenbarungseid zu zwingen. Allerdings bringt auch der Plan A des Bundeskanzlers das Kunststück fertig, die Gesamtschule, jahrzehntelang eine zentrale sozialdemokratische Vision, mit keinem Wort zu erwähnen. Mahrer wie Hammerschmid versuchen die überfällige, lästige und konfliktträchtige Strukturreform zu verdrängen. Offen bleibt, ob die Grünen, derzeit die einzigen Advokaten einer gemeinschaftlichen Schulform, ihre Zustimmung zum Autonomiepaket von der Wiederaufnahme einer ernsthaften Gesamtschulreform abhängig machen.

Die Organisationsberater und Spindoktoren, die am Entwurf mitgearbeitet haben, scheinen nicht zu wissen, dass vieles von dem, was als Innovation propagiert wird, schon bisher möglich war: etwa der flexible Umgang mit der Dauer von Unterrichtseinheiten, die variierende Größe von Lerngruppen oder fächerübergreifende Projekte. Dass die Unterrichtspraxis dennoch oft nur darin besteht, den Stoff lustlos durchzunehmen, ist das Ergebnis der jahrzehntelangen bürokratischen Gängelung der Lehrerschaft. Sie hat das Bedürfnis nach pädagogischer Kreativität verkümmern lassen.

Um mehr autonome Schulentwicklung freizusetzen, könnte man sich auf drei Aspekte konzentrieren, die im Begutachtungsentwurf durchaus enthalten sind: erstens die Bestärkung des professionellen Selbstbewusstseins der Lehrerschaft, unter anderem durch verpflichtende Lehrerfortbildung; zweitens die Rekrutierung und Qualifizierung von tüchtigen Schulleitern; und schließlich die Aufwertung der Schulinspektoren zu Co-Akteuren der standortspezifischen Schulentwicklung und regionalen Qualitätsvergewisserung.

Die Einführung von Clustern wird weder für die einzelnen Schulen noch für das Gesamtsystem eine bürokratische Entlastung bringen. Sie bedeutet vielmehr eine zusätzliche administrative Ebene mit vielen Doppelgleisigkeiten, zusätzlichen Kosten und Konflikten. Und da Cluster die Demarkationslinie zwischen Neuen Mittelschulen und Gymnasien verfestigen würden – es dürfen sich nur Pflicht- mit Pflichtschulen und Bundes- mit Bundesschulen verclustern –, wären sie hinsichtlich der ausstehenden Gesamtschulreform vor allem eines: kontraproduktiv.