Seit Beginn dieses Monats hat die US-Armee ihre Präsenz in Syrien ausgebaut. In Manbidsch, im Norden des Landes und nahe der türkischen Grenze, patrouillieren 100 Army-Rangers in gepanzerten Fahrzeugen. Ihre Aufgabe ist es, eine Art Puffer zwischen türkischer Armee, lokalen Milizen und syrischer Regime-Armee zu bilden.

Näher an Rakka, der Hauptstadt der Terrorgruppe "Islamischer Staat" (IS) in Syrien, haben derweil 400 US-Marines eine Basis errichtet. Sie haben schwere Artillerie mitgebracht. Sobald die Syrian Democratic Forces (SDF), eine kurdisch dominierte syrische Miliz, der auch arabische und turkmenische Kämpfer angehören, Rakka isoliert haben, sollen diese Geschütze im Kampf um die Stadt eingesetzt werden. Schon länger sind außerdem einige Hundert US-Spezialkräfte im Land. In Washington mehren sich Hinweise, dass demnächst 1000 weitere US-Soldaten nach Syrien beordert werden könnten.

Diese Aufstockung ist mehr als symbolisch, aber weit entfernt von einer Invasion. Sie folgt dem Muster, nach dem die US-Armee im vergangenen Jahr die Schlacht um Mossul vorbereitet hat, die Hauptstadt des IS im Irak. Auch dort hat die US-Armee irakischer Armee und kurdischen Peschmerga-Kämpfern am Boden den Weg durch Luft- und Artillerie-Unterstützung sowie durch Beratung und Training bereitet. In Mossul steht der IS nun kurz vor der Niederlage. Der Beginn der Schlacht um Rakka wird für April erwartet. Die Rolle des US-Kontingents wird spürbar sein.

Im Wahlkampf hatte US-Präsident Trump damit geworben, er habe einen geheimen Plan, um den IS zu besiegen. Was sich in Syrien nun offenbart, ist allerdings weder ein geheimer noch ein neuer Plan.

Man könnte das Vorgehen auch als Obama plus interpretieren. Es bleibt dabei, dass die USA "mithilfe von, durch und gemeinsam mit" lokalen Verbündeten kämpfen und im Hintergrund bleiben.

Da Trump sich seit Amtsantritt nicht zu seiner Syrien-Strategie geäußert hat, lässt sich nicht sagen, ob das verstärkte US-Engagement Trumps Vorgaben folgt oder schlicht der Logik auf dem syrischen Schlachtfeld – oder ob vielleicht beides zutrifft. Es ist allerdings damit zu rechnen, dass Trump regionale Partner wie Saudi-Arabien oder Jordanien auffordern wird, mehr Einsatz zu zeigen.

Mit Blick auf die rein militärische Aufgabe, dem IS Rakka zu entwinden, ist die Aufstockung sinnvoll. Die USA betrachten die SDF als stärkste Verbündete am Boden: Die kurdische Miliz ist kampferprobt und hat bereits Beziehungen zur US-Armee. Mit Beratung und Unterstützung der Amerikaner dürfte sie in der Lage sein, Rakka einzunehmen.

Weitet man den Horizont auf den seit sechs Jahren wütenden syrischen Bürgerkrieg aus, wird es komplizierter. Es ist zum Beispiel unklar, wer die derzeit noch vom IS in Syrien beherrschten Gebiete später halten wird, halten will, halten kann oder halten soll. Syrische Kurden? Syrisch-arabische Rebellen, von denen es zwischen gemäßigt und extremistisch eine enorme Vielzahl und Bandbreite gibt? Das Assad-Regime?

Die innerhalb der SDF maßgebliche kurdische YPG-Miliz wird von der Türkei zudem als Terrorgruppe betrachtet. Ankara steht selbst mit Soldaten in Syrien und fordert von den USA, ihre Allianz mit der YPG zu kappen.

Stattdessen sollen nach dem Willen der Türkei von Ankara unterstützte syrisch-arabische Milizen Rakka einnehmen. Zu denen zählen neben moderaten allerdings auch salafistische Gruppen.

De facto bestehen also zwei parallele Pläne zur Einnahme Rakkas, die sich kaum in Einklang bringen lassen werden.

Wenn Washington und Ankara sich nicht einigen, droht eine tiefe Verwerfung zwischen den Nato-Alliierten.