Alfred Dorfer © Peter Rigaud

Nichts, nicht einmal Terror oder Wirtschaftskrisen, können so gefährlich sein wie ein Kinderlied. Das allseits beliebte, nur scheinbar harmlose Fuchs, du hast die Gans gestohlen war eine der Melodien aus dem Repertoire des Limburger Glockenspiels. Eine wachsame Veganerin musste sofort, als ihr die traditionelle Tonfolge ans Ohr drang, an die perfiden Zeilen denken, die erzählen, wie der Jäger den Fuchs mit dem Schießgewehr holen würde, sollte er die Gans nicht wieder hergeben. Daher müsse die Weise eliminiert werden. Die Stadtväter gaben nach. Zu Recht. Märchen, in denen es nicht vegan zugeht, sollten generell aus dem Kanon entfernt werden. Hänsel und Gretel, wo die Hexe sogar Kinder zu verzehren plant, gleich an erster Stelle. Einerlei, ob diese Geschwister artgerecht gehalten wurden, Kannibalismus ist zweifelsfrei nicht vegan. Denn Menschenfleisch müsse auf gewisse Art eben auch als tierische Kost gelten. Auch dass die böse Alte die Geschwister in einen Brotmantel einbacken will, entschuldigt nichts. Selbst der stets nette und naive Obelix mit seiner permanenten Wildschweinfresserei bedarf einer strengen Prüfung. Pu der Bär, frisst ungeniert vor einem sehr jungen Publikum Honig und singt dabei auch noch von Gemütlichkeit. Die darf es nicht geben, wenn es um die Frage geht: Wie steht etwa die Biene Maja wirklich zur Imkerei? Nie hat man da ein klares Statement gehört. Ist sie etwa wie viele Künstler vollkommen unpolitisch? Dürfen wir eigentlich noch Grundwasser trinken, denn ohne Bohrungen hätte die Natur es wohl nie freigegeben. Das alles scheint ein gewaltiges Problem zu sein. Irgendwer meinte einmal, Demokratie bringe manchmal den Terror lautstarker Minderheiten mit sich. Das sollte niemandem gleichgültig sein.