Gut gehen die Geschäfte für alle Börsianer in New York. Die Indizes steigen, die Rallye nimmt kein Ende. Doch für einige von ihnen sind die Zeiten geradezu bombig – im wahrsten Sinn des Wortes.

Wer vor fünf Jahren einen Dollar in einen Fonds steckte, der brav die Kurven des NASDAQ-Index abbildet, der hat heute fast zwei Dollar im Portemonnaie.

Wer aber seinen Dollar in einem der vier größten Rüstungskonzerne der USA anlegte, der hat heute mehr als drei Dollar in der Geldbörse.

Und weil Händler und Investoren nicht in einzelnen Dollars, sondern in Hunderttausenden, in Millionen, wenn nicht sogar in Milliarden rechnen, machten sie gutes Geld mit den Aktien von Boeing, Lockheed Martin, Raytheon oder Northrop Grumman.

Unter den Profiteuren sind auch zahlreiche Schweizer Pensionskassen und die Schweizerische Nationalbank (SNB) – aber damit soll bald Schluss sein. Die Gruppe für eine Schweiz ohne Armee (GSoA) will dem Land ein "Verbot der Finanzierung von Kriegsmaterialproduzenten" in die Verfassung schreiben. Kurz vor Ostern hat sie eine entsprechende Volksinitiative lanciert. "Geld für Waffen tötet!", sprühte die Friedensaktivistin Louise Schneider medienwirksam an den Bauzaun vor der Nationalbank, bevor die 86-Jährige von der Berner Stadtpolizei verhaftet wurde.

Hinter dem Spektakel steht eine ebenso wichtige wie heikle Frage: Wer entscheidet eigentlich, was mit unser aller Geld passiert – beziehungsweise, wer soll das entscheiden?

Bisher übernahm das dreiköpfige Direktorium der Nationalbank oder die Stiftungsräte der Pensionkassen diese Aufgabe. Die Politik, die Versicherten, also wir alle, hatten dazu direkt nichts zu sagen. Aus gutem Grund. Die großen Anleger wollen ihr Geld breit investieren, ihre Aktien halten sie meist in indexbasierten Fonds, also nicht als einzelne, ausgewählte Titel. Sie suchen eine gute Balance aus möglichst viel Gewinn und möglichst wenig Risiko. Es geht nicht ums schnelle Geld, sondern um die sichere Rente, die sichere Anlage.

Deshalb stecken die SNB-Milliarden heute ebenso in Facebook-Aktien, in Anteilsscheinen einer Firma, die Software für Fitnessstudios entwickelt wie in Rüstungskonzernen; alle 2.500 amerikanischen SNB-Beteiligungen sind auf der Website der Börsenaufsicht SEC feinsäuberlich aufgelistet.

Von dort bezieht auch die niederländische Nichtregierungsorganisation PAX ihre Daten. Sie hat errechnet, dass die SNB im vergangenen Jahr 800 Millionen Dollar in Firmen investiert hat, die unter anderem Atomwaffen herstellen. Das sind fast 300 Millionen mehr als ein Jahr zuvor.