Die Sierichstraße verbindet die Innenstadt und die nördlichen Stadtteile als zweispurige Einbahnstraße, und das auf deutschland- und hamburgweit einzigartige Art und Weise. Denn die erlaubte Fahrtrichtung wechselt: Ab vier Uhr geht es nur stadteinwärts, ab zwölf Uhr nur stadtauswärts. Eine Regelung, die manchem nicht so routinierten Autonutzer den Schweiß auf die Stirn treibt.

Und den Radfahrern erst recht – ein Fahrradweg existiert nämlich nur auf der westlichen Seite, er ist schmal und in schlechtem Zustand. Fahrradstreifen auf der Fahrbahn gibt es nicht. Da immer wieder die Fahrtrichtung wechselt, können Radfahrer auch nicht immer die Fahrbahn benutzen.

Davon abgesehen ist das selbst im entsprechenden Zeitraum nicht unbedingt empfehlenswert. "Die Situation für Fahrradfahrer auf der Sierichstraße", schrieb die CDU-Fraktion im Regionalausschuss Eppendorf-Winterhude im Jahr 2015, "ist trotz aller politischen Diskussion noch immer in höchstem Maße prekär".

Mit Ausnahme von "professionellen Alltagsradlern" sei das Fahren auf der Straße niemandem zumutbar. "Abendliche Zweite-Reihe-Parker zwingen zum Wechsel auf die linke Fahrspur", heißt es in dem Papier weiter, "rasante Autofahrer brettern mit wenig Abstand vorbei. Gerade bei Dunkelheit und Nässe fühlen sich die Radfahrer gezwungen, auf den Gehweg auszuweichen, was tagtäglich zu Nutzungskonflikten mit Fußgängern führt."

Wieso ändert man diesen gefährlichen Zustand nicht einfach? Das fragte sich auch die CDU-Fraktion und regte an, wenigstens den Radweg zu sanieren.

Der Antrag kam nicht durch. Die für die Sierichstraße zuständige Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation (BWVI) stimmte der Mängelanalyse zwar zu: Wegen der hohen Verkehrsbelastung seien "zukünftig grundsätzlich separate Radverkehrsanlagen erforderlich". Allerdings seien die Platzverhältnisse in der Sierichstraße wegen der erforderlichen zwei Fahrspuren und auch aufgrund von Bäumen, Parkplätzen und Privatgrundstücken derart knapp, dass sie "keine in überschaubarem Zeitraum umsetzbare Lösung" ermöglichten.

Kurz: Die Sache sei zu komplex für eine Lösung. Radfahrern, die die Sierichstraße unbesorgt nutzen wollen, bleibt also vorerst nur eins: sich ein Auto zuzulegen.