Zum ersten Mal seit vielen Tagen scheint wieder die Sonne auf den Golfplatz von St. Leon-Rot. Gutes Licht für einen Werbefilm. Wegen der immer noch frischen März-Temperaturen tragen die Kameramänner und Assistenten Pullover unter ihren Westen. Hauptdarsteller Martin Kaymer dagegen friert nicht so schnell. Er trägt ein kurzärmeliges Hemd aus dem Regal seines Sponsors und ein Basecap über seinem gebräunten Gesicht. Deutschlands bester Golfer macht einen ausgeruhten Eindruck. Er scheint bereit für das in gut einer Woche beginnende Masters im amerikanischen Augusta.

DIE ZEIT: Herr Kaymer, Sie sind für einen kurzen Aufenthalt in Ihre Heimat nach Deutschland gekommen. Wissen Sie, was die Konkurrenz macht, haben Sie die anderen Spieler auch von hier aus unter Beobachtung? Vor allem: Was erwarten Sie sich von der neuen Golfsaison?

Martin Kaymer: Alle Spieler freuen sich auf die großen Turniere, auf das erste Major des Jahres. Wer es gewinnen will, der muss körperlich fit sein, aber vor allem auch mental gut vorbereitet sein. Dieses Ziel verfolgt jeder nach einem anderen Plan. Ich selber versuche, schlechte Erfahrungen so schnell wie möglich aus dem Kopf zu bekommen. In der Vorbereitung auf das Masters lief es schon ganz gut, der vierte Platz beim Turnier in Palm Beach im Februar war ein gutes Zeichen.

ZEIT: Wie sehen Ihre Trainingstage vor einem großen Turnier aus?

Kaymer: Ich versuche, jeden Part des Spiels abzudecken. Zwei-, dreimal die Woche über mehrere Stunden mit meinem Trainer, sonst alleine. Das lange Spiel, das kurze Spiel, was gerade nötig ist. Manchmal treffe ich in einer solchen Vorbereitungszeit Bernhard Langer. Auch diesmal, in den zwei Tagen vor dem Turnierbeginn in Augusta, haben wir uns wieder verabredet.

ZEIT:Bernhard Langer hat 1985 und 1993 in Augusta gewonnen, er hat dort lebenslanges Startrecht. Was ist Ihr Plan mit ihm?

Kaymer: Wir spielen gemeinsam eine Proberunde und reden viel miteinander. Ich kann von ihm noch immer sehr viel lernen. Ich finde seine Willenskraft unglaublich. Bernhard ist jetzt 59 Jahre alt und hat immer noch den unbändigen Ehrgeiz, sein Spiel zu verbessern und zu verfeinern.

ZEIT: Bernhard Langer ist sehr religiös ...

Kaymer: Er hat sein Fundament für sein Leben gefunden, wir haben oft darüber gesprochen. Ich bin nicht so religiös. Das muss jeder mit sich selbst ausmachen.

ZEIT: Glauben Sie an Wunder auf dem Golfplatz?

Kaymer: Wahrscheinlich hat sich diese Frage schon jeder Golfspieler wenigstens einmal gestellt. Und ich sage Ihnen: Nein, daran glaube ich nicht. Wenn es etwas gibt, dann ist es Glück. Auf das man sich im Übrigen nicht verlassen kann.

ZEIT: Haben Sie ein Motto während der Vorbereitung auf ein großes Turnier?

Kaymer: Ja. das gibt es. Aber nichts, was Sie vermuten. Das Motto lautet: "Energie sparen!" Möglichst viel schlafen. Denn das viele Reisen zwischen den Zeitzonen und der damit verbundene Jetlag ist ein großes Problem. So versuche ich während eines Turniers in der Nacht acht bis neun Stunden zu schlafen. Wenn ich dann wieder zu Hause bin, dann darf es ruhig noch länger sein.

ZEIT: Wo ist denn Ihr Zuhause?

Kaymer: Ich trainiere im Winter meistens in Arizona, in Scottsdale, aber meine Heimat ist und bleibt Mettmann und das Rheinland.

ZEIT: Und was ist für Sie Heimat?

Kaymer: Wenn ich in Düsseldorf lande, habe ich das Gefühl, wieder in der Heimat zu sein. Es ist seltsam, aber die Luft von Mettmann ist Heimat. Hier ist mein Vater zu Hause, meine Cousine mit ihren Drillingen. Mit meinem Vater am Abend noch einmal neun Löcher zu spielen ist auch Heimat. Ähnliches empfinde ich auf Mallorca, in Scottsdale und in Abu Dhabi. Es ist die Luft, die mir vertraut ist.

ZEIT: Sie haben früh große Turniere gewonnen. Sie waren die Nummer eins der Weltrangliste. Was soll dann noch kommen? Gerät man da nicht leicht aus dem Tritt? Wie motiviert man sich, auch danach in jedem Turnier wieder voll anzugreifen?

Kaymer: Ich führe mir vor Augen, was ich noch erreichen kann. Wie wenig ich erst gewonnen habe. Von den Majors fehlen mir noch zwei, auch die Olympischen Spiele habe ich noch nicht gewonnen. Nein, an Ehrgeiz fehlt es mir nicht. Ich habe noch große Ziele.