In seiner Autobiografie Die Kunst des Deals beschreibt Donald Trump Flexibilität als oberste Tugend des erfolgreichen Geschäftsmanns: "Ich habe immer viele Bälle in der Luft, denn die meisten Deals werden nichts, auch wenn sie am Anfang vielversprechend aussehen."

So scheint es Trump auch als Präsident zu halten. Als die deutsche Bundeskanzlerin unlängst im Weißen Haus zu Gast war, legte der Immobilienmilliardär jedenfalls eine glatte 180-Grad-Wende hin. Gleich mehrmals wollte Trump Angela Merkel dazu überreden, ein deutsch-amerikanisches Handelsabkommen auf den Weg zu bringen. Doch als die Kanzlerin im Gespräch beharrlich darauf verwies, dass so etwas nur mit der EU insgesamt möglich sei und obendrein mit der Europäischen Kommission verhandelt werden müsse, lenkte Trump ein und – so berichten es Anwesende der ZEIT – wies seinen Handelsminister Wilbur Ross an, sich Gedanken über einen Vertrag mit allen Europäern zu machen.

Das hat Ross nun getan, und es scheint möglich, was bis vor Kurzem als undenkbar galt: dass unter Trump die Verhandlungen zum transatlantischen Freihandelsabkommen TTIP wiederbelebt werden könnten – jenem Abkommen, über das die Europäer drei Jahre lang erfolglos mit Trumps Vorgänger Barack Obama verhandelt hatten und gegen das in Deutschland Hunderttausende auf die Straße gingen.

Sollte nun ausgerechnet der selbst ernannte Handelskrieger Donald Trump, der Unternehmen wie BMW mit heftigen Strafzöllen gedroht hat, seinen Frieden mit den Europäern machen, dann könnte das wiederum im deutschen Bundestagswahlkampf für erheblichen Ärger sorgen.

Erste Indizien dafür gibt es. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hat in der vergangenen Woche am Rande der Frühjahrstagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) in Washington Trumps obersten Wirtschaftsberater Gary Cohn getroffen, Finanzstaatssekretär Jens Spahn den Chefstrategen des Präsidenten, Stephen Bannon. Dabei habe die amerikanische Seite signalisiert, dass sie bereit sei, mit den Europäern "etwas zu machen", heißt es in Regierungskreisen.

Wolfgang Schäuble glaubt, dass Trump auf einen gemäßigteren Kurs einschwenkt

Aus Schäubles Sicht spricht das dafür, dass Trump in der Handelspolitik auf einen gemäßigteren Kurs einschwenkt – und dass mit den Amerikanern mehr möglich ist, als es Trumps erste Aktionen befürchten ließen. Kurz nach seiner Amtseinführung hatte der neue Präsident nicht nur einen unter Obama ausgehandelten Freihandelsvertrag mit Japan, Australien, Chile und anderen Pazifikstaaten aufgekündigt. Er sandte auch Emissäre in die Hauptstädte Europas aus, um über bilaterale Abkommen mit den einzelnen Mitgliedsstaaten die EU zu spalten. Noch auf dem Treffen der Finanzminister und Notenbankchefs der wichtigsten Wirtschaftsmächte der Welt (G20) in Baden-Baden im März wollten die Amerikaner nicht einmal die vorbereitete Abschlusserklärung unterzeichnen, weil diese ein Bekenntnis zum freien Handel und zu global gültigen Regeln enthielt.

Doch am vergangenen Wochenende bei der Frühjahrstagung des IWF ging es anders zu. Zwar kritisierte Finanzminister Steven Mnuchin öffentlichkeitswirksam den hohen deutschen Exportüberschuss. Er verzichtete aber zugleich darauf, von der Bundesregierung konkrete Gegenmaßnahmen einzufordern, und zeigte sich auch sonst gesprächsbereit.