Es ist nicht einfach, viel über diese Frau zu erfahren. Bevor sie zu VW kam, arbeitete sie lange für BMW, dann für den Autozulieferer ZF in Friedrichshafen, zu dessen größten Kunden Volkswagen gehört. Bei BMW kann die Pressestelle keine Gesprächspartner vermitteln. Beim Deutschen Institut für interne Revision, einem Branchenverein, heißt es, man kenne sie nicht gut genug, um sich zu äußern. Bleibt: ZF, das Unternehmen, für das sie gut 17 Monate arbeitete – direkt vor dem Wechsel zu VW.

Die ZEIT hat insgesamt acht aktuelle sowie ehemalige Mitarbeiter von ZF gesprochen. Ihre Schilderungen erfolgten unabhängig voneinander und zeichnen zusammen mit internen Unterlagen das Bild einer Frau, die mal herrisch nach unten und mal opportunistisch nach oben ihrer Arbeit nachging. Und sie legen nahe, dass sich die Unternehmenskultur von Volkswagen mit ihr kaum ändern wird. In der VW-Welt dachte lange jeder vor allem an sein ganz persönliches Fortkommen, und Fehler wurden nicht verziehen. Das war idealer Nährboden für einen Dieselskandal, bei dem alle Alarmsignale lange totgeschwiegen wurden. "Ich habe die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen, als ich hörte, Frau Werner soll Vorstand für Integrität bei Volkswagen werden", sagt Barbara Rentsch, Betriebsratsmitglied bei ZF, die Einzige der vielen Gesprächspartner, die sich namentlich zitieren lassen will. Sie sagt: "Das ist blanker Hohn."

Von Beginn an, so erzählt es eine andere Weggefährtin, habe Werner kaum eine Möglichkeit ausgelassen, um in ihrer kleinen Abteilung Angst und Schrecken zu verbreiten. "Sie denkt stets in Machtkategorien: Wer kann mir gefährlich werden, wen muss ich deshalb isolieren?" Von den neun Mitarbeitern, die vor Werners Antritt am Standort Friedrichshafen wirkten, war bei ihrem Abgang noch eine einzige Mitarbeiterin übrig. Die anderen hatten das Unternehmen verlassen, wieder zu studieren begonnen oder sich krankschreiben lassen.

Volkswagen teilt dazu mit: "Frau Werner hat in ihrer Zeit bei ZF die von ihr geleitete Revision mithilfe eines anerkannten und von einem externen Berater unterstützten Change-Management-Prozesses neu für zukünftige Aufgaben aufgestellt und dabei die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einbezogen und mitgenommen." Es sei keineswegs so, dass Mitarbeiter unfair behandelt worden seien. Im Gegenteil – bis heute bestünden die allerbesten Kontakte zum ehemaligen Team. Namen, die das aus erster Hand bezeugen könnten, nennt Volkswagen allerdings nicht.

Volkswagen lehnte es ab, zu anderen Vorwürfen Stellung zu nehmen, denn die "übermittelten Fragen zeigen, dass es sich nicht um ein auch nur in Ansätzen objektives Porträt von Frau Werner handeln kann, sondern hier eine dubiose Quelle mit höchst eigenen Interessen genutzt wird".

Noch ehe diese Stellungnahme geschickt war, meldete sich Hiltrud Werner per Mail. "Viel Erfolg bei Ihrer Arbeit", schrieb sie, aber aktuell könne sie kein exklusives Gespräch anbieten. Sie nannte auch einige Kontakte, aber als man freundlich um die Telefonnummer bat, antwortete sie: "Ich kann leider kaum mit Mobilfunknummern dienen, da ich in der Vergangenheit für gewöhnlich vermied, jemand außerhalb der Geschäftszeiten telefonisch zu stören." Auf die konkreten Vorwürfe reagierte sie nicht.

Nun sind Revisoren in der Regel sehr ordentliche Leute, und deswegen haben sie bei ZF auch über ihre Chefin Hiltrud Werner genauestens Buch geführt und eine mehrseitige PowerPoint-Präsentation erstellt, die der ZEIT vorliegt und mit der sie den Betriebsrat auf Werners fragwürdigen Führungsstil aufmerksam machen wollten. Im Zeugnis, das sie ihrer Chefin ausstellen, heißt es: "Der Führungsstil ist autoritär, aggressiv und erniedrigend, er hat nichts mit der ZF-Kultur zu tun."

Es folgt eine lange mit Daten versehene Liste von Zitaten. Ein Auszug: Am 3. September 2014 soll Werner zu ihren Arbeitskollegen gesagt haben: "Jeden Mitarbeiter muss man erst mal drei Treppenstufen nach unten treten, und dann kann er sich langsam wieder hochkämpfen." Dann, am 12. November 2014, zu einer anderen Mitarbeiterin: "Wie weit muss ich meine Ansprüche an dich noch senken, damit du mir annähernd gerecht wirst?" Werner selbst soll ihre Arbeit laut der Präsentation so beschrieben haben: "Sie werden Mitarbeiter weinend mein Büro verlassen sehen."