Die ZEIT zeigt nun erstmals, was eine streckenabhängige Maut kosten könnte. Den Daten liegen zwei voneinander unabhängige Rechnungen zugrunde. Die eine stammt vom Verein Gemeingut in BürgerInnenhand (GiB). Er warnt vor den Folgen von Privatisierungen. Die andere stammt vom renommierten Verkehrsökonomen Alexander Eisenkopf von der Zeppelin-Universität Friedrichshafen. Beide wurden exklusiv für die ZEIT angefertigt. Während der GiB im Schnitt auf Mautkosten von 5,26 Cent pro Kilometer kommt, rechnet Eisenkopf etwas konservativer mit 3,6 Cent pro Kilometer.

Mit diesen Werten lassen sich nun Preise für einzelne Strecken berechnen (siehe Karte). Eine Fahrt von Hamburg nach München würde auf Basis der Kalkulation von Eisenkopf beispielsweise 27,90 Euro kosten. Nach den Berechnungen des GiB wären es 40,77 Euro. Für die 173 Kilometer von Dresden nach Jena läge der Preis zwischen 6,23 Euro (Eisenkopf) und 9,10 Euro (GiB).

Einmal pro Woche Hamburg–Münster: Das würde im Jahr über 1.000 Euro kosten

Dass die Ergebnisse der Schätzungen etwas auseinanderliegen, hat mit der Art der Berechnung zu tun. Der GiB legt seiner Schätzung die Einnahmenprognose des Verkehrsministeriums zur Pkw-Maut zugrunde: rund vier Milliarden Euro. Diesen Wert teilt er durch die von Pkw im Jahr 2015 gefahrenen Autobahnkilometer. Ergibt einen Kilometerpreis von 1,94 Cent bei Einführung der Maut. Der GiB geht jedoch davon aus, dass dieser Preis steigen würde. Erstens würden die privaten Investoren eine ähnlich hohe Rendite wie in Frankreich verlangen. Zweitens würde die Autobahngesellschaft nach einer Übergangsphase mehrwertsteuerpflichtig. Drittens müsste sie den Sanierungsstau auf den Straßen abbauen. So landet der GiB bei den 5,26 Cent. "Angesichts des Kilometerpreises in Frankreich von über 8 Cent glauben wir nicht, dass unsere Schätzung unrealistisch hoch ausfällt", sagt Carl-Friedrich Waßmuth vom GiB.

Die Schätzung des Ökonomen Eisenkopf von der Zeppelin-Universität beginnt ebenfalls mit einem Kilometerpreis von rund 2 Cent. Allein durch die Kosten für die Erhebung der Pkw-Maut steigt er seiner Einschätzung nach aber auf 2,4 Cent. Hinzu kämen die höheren Renditeansprüche der Konzerne sowie voraussichtlich die Mehrwertsteuer. Beides schlage mit jeweils 0,6 Cent zu Buche. So kommt er auf 3,6 Cent pro Kilometer. Die Differenz zum GiB ergibt sich etwa dadurch, dass bei Eisenkopf neben der Pkw-Maut auch noch die Lkw-Maut zur Deckung der höheren Kosten herangezogen wird.

Wer will, kann sich nun ausrechnen, was eine streckenabhängige Maut für ihn kosten könnte. Für einen Pendler, der pro Woche einmal von Hamburg nach Münster und zurück fährt, wären es im Jahr beispielsweise zwischen 1.011 und 1.477 Euro .