Samstagabend im Karoviertel, zwei Polizisten, abgestellt zur Sicherung der Messehallen. Kritischer Blick auf die Menschen mit ihren roten Tragetaschen, Aufschrift "Hamburgs bester Stadtteil". Frage eines Beamten: "Wo gibt’s denn die?"

Wenn selbst Polizisten neugierig werden bei einer Veranstaltung, dann kann sie nicht ganz uninteressant gewesen sein, oder?

18 Orte, 47 Diskussionen, Vorträge, Fragerunden, Slams, 10.000 Besucher: Die vierte Lange Nacht der ZEIT war auch die bisher größte. Und das, obwohl Helene Fischer parallel auftrat, und außerdem war noch Eurovision Song Contest. Ordentlich Konkurrenz also.

Glück für die ZEIT: Die deutsche Grand-Prix-Siegerin Lena Meyer-Landrut stand nicht neben Barbara Schöneberger auf dem Spielbudenplatz, sie saß neben ZEITmagazin-Chefredakteur Christoph Amend im Stilwerk und erzählte, dass sie keine Ahnung davon hatte, für was für eine Veranstaltung sie sich damals bewarb, als sie zu Stefan Raabs Unser Star für Oslo ging. So unbekümmert sind manchmal die Wege zum Ruhm.

Wer einmal berühmt ist, hat mit anderen Sorgen zu kämpfen. Scheitern, Absturz, Versagen. Wobei: Müssen das wirklich Sorgen sein? Matthias Brandt, Schauspieler, Buchautor und, nicht ganz unwichtig, Sohn von Willy Brandt, erzählte Giovanni di Lorenzo in der Laeiszhalle: "Alle wesentlichen Dinge im Leben habe ich durchs Scheitern gelernt und nicht durchs Gelingen." Wie aufbauend!

Apropos Aufbau: Pünktlich zur Langen Nacht öffnete das ZEIT Café am Speersort, die Gäste kamen bei leckeren Drinks mit ZEIT- Redakteuren ins Gespräch.

Wer sich von dort, leicht angeheitert, zum Mojo aufmachte, musste kurz innehalten und die Garderobe ordnen. Schließlich ging es um Stil-Fragen: Wer ist wer in der Hamburger Society? Und wie benimmt man sich richtig? ZEIT:Hamburg-Redakteur Daniel Haas brachte seine Kolumne Haas geht aus auf die Bühne. Seitenhiebe auf München und Berlin blieben nicht aus: "Die Hauptstadt. Da putzt man sich morgens die Zähne und ist schon overdressed."

Der mächtigste Akteur der Hamburger Society, schon vor Jahren aus Berlin zurückgekehrt, kam nicht in den Mojo Club. Olaf Scholz, der Erste Bürgermeister, führte im Hapag-Lloyd-Gebäude ein Gespräch mit ZEIT:Hamburg-Chefin Charlotte Parnack. G20? Die meisten würden vom Gipfel gar nichts mitbekommen, sagte Scholz. Das ist tröstlich – nur nicht für die Polizisten, die sich für die roten Beutel interessierten.

DZ