Pfannfisch. Pfannfisch? Hahaha, das kann ja heiter werden." So könnte man beginnen. Und dann mit der Beharrlichkeit eines Schubschiffs auf die Pointe zusteuern, dass es ja nur schiefgehen kann, wenn zwei Österreicher ein renommiertes Fischrestaurant übernehmen.

Das wäre bloß etwas kurzsichtig. Denn zum einen lag Österreich, anders als Hamburg, mal direkt am Meer; das ist kaum ein Jahrhundert her. Und zum anderen gehört das Ehepaar Tschebull mit seinem Lokal im Levantehaus zu den verlässlichsten und vielseitigsten Gastronomen der Stadt.

Seit Februar führen sie nebenher das Rive. Alice von Skepsgardh hatte das Bistro mit dem unschlagbaren Elbblick 1992 eröffnet – "jung, locker, schnell, gut" war damals das Motto. Seitdem hat es etwas abgebaut. Nur das "locker" hätte man zum Schluss noch unterschrieben.

Mittlerweile hat sich vieles verbessert. Nicht beim knapp besetzten Service, der hektisch umherläuft, aber selten da ist, wenn man ihn braucht (und nebenbei: Keiner will Wasser "mit Gas"). Wohl aber bei den Speisen. Vorsintflutliches à la "Garnelen Saigon" wurde der Karte verwiesen, genau wie das Überangebot austauschbarer Fleischgerichte – mit Ausnahme des Wiener Schnitzels, versteht sich. Mehr Fisch also, verhältnismäßig.

Statt Sushi im Stil der neunziger Jahre bestellt man Ceviche von der "Raw Bar" oder, noch cooler, das hawaiianische Poké. Es besteht hier aus rohen Lachsstreifen auf Gurken-"Spaghetti", Sushireis-Crackern und Wassermelonenwürfeln, abgeschmeckt mit Limettensaft, Chili und Koriander. Sehr verspielt, aber harmonisch. Exotisch können sie also. An der Bouillabaisse kann man nur die atypische Einlage von Calamaretti und Lachs bekritteln. Ansonsten käme sie mit ihrem kräftigen Geschmack auch in Marseille gut an. In Hamburg tut sie es nicht so, wie die Kellnerin verrät: "Vielen unserer Kunden ist sie zu dick und zu dunkel. Die wünschen eher eine Bouillon." Siehe oben: Österreich, viel näher am Mittelmeer.

Letzte Kostprobe, klappt auch hanseatisch? Nur zum Teil. Der Pannfisch hat ein f zu viel und entspricht eher dem, was schlechtere Gastronomen als Edelfischpfanne verkaufen. Statt eines Fischfilets mit dünner Mehlkruste kommen vier unterschiedlich genau auf der Haut gebratene Stücke, darunter sehr guter geangelter Schellfisch und schon wieder Lachs. Der feine Senfschaum kommt nicht an gegen die salz- und speckbetonten Bratkartoffeln. "Und dann auch noch sieben Euro teurer als früher!", könnte man schließen.

Oder man räumt ein, dass ein Vierteljahr wenig Zeit ist, um die Entwicklung eines Vierteljahrhunderts zu korrigieren. Und dass das neue Rive der See so nah ist wie schon lange nicht mehr.

Rive, Van-der-Smissen-Straße 1, Altona. Tel. 3805919, www.rive.de. Geöffnet täglich von 12 bis 24 Uhr, Speisebestellungen bis 21.30 Uhr. Hauptgerichte um 28 Euro