Hamburgs schöner neuer "Luftreinhalteplan" war schon zum Zeitpunkt seiner Veröffentlichung am Anfang des Monats veraltet. Es geht in dem Regelwerk nur um eine einzige Art von Schadstoffen, nämlich Stickoxide, und wie sich nun zeigt, stoßen Dieselfahrzeuge davon erheblich mehr aus als in dem Plan angenommen. So schnell gehen Werte verloren.

Wer Nachrichten zur Kenntnis nimmt, muss sich nun etwas wundern. Dieselfahrzeuge sind schmutziger, als die Hersteller angeben – wer hätte das gedacht! Liest man in der Umweltbehörde keine Zeitungen?

In Wirklichkeit ist es etwas komplizierter. Im Rahmen ihrer Möglichkeiten haben die Experten in der Behörde vorausgeschaut, sie sind dabei aber an die Grenzen ihrer Zuständigkeit gestoßen. Grenzwerte, die einem Gerichtsverfahren standhalten, kann eine Landesbehörde nicht auf eigene Faust entwickeln. Im zuständigen Umweltbundesamt in Dessau aber hatten die Fachleute zunächst nur den wirklichen Abgasausstoß von Dieselmotoren neuester Bauart untersucht. Nach diesen Daten hatten sich die Hamburger erkundigt und sie, noch ehe die Bundesfachleute sie veröffentlicht hatten, in ihre eigenen Berechnungen einfließen lassen. So weit, so gut.

Womit man in der Umweltbehörde nicht gerechnet hat: Wenige Tage vor Veröffentlichung des Hamburger Luftreinhalteplans legten die Dessauer Kollegen nach und gaben auch für ältere Dieselfahrzeuge neue Abgaswerte bekannt.

Nun sind Dieselfahrzeuge nur ein Problem unter mehreren, auch Schiffe und Ölheizungen stoßen Stickoxide aus. Ob – und gegebenenfalls wie – der Luftreinhalteplan überarbeitet werden muss, untersucht jetzt ein Gutachter.

Eines jedoch ist klar: Die Strategie der Hamburger Behörden, nur gerade das Allernötigste zur Luftreinhaltung zu tun, auf dass der Autoverkehr so wenig wie irgend möglich eingeschränkt werde, ist soeben zum ersten Mal an ihre Grenzen gestoßen.