Der Vater verreist zum ersten Mal allein mit zwei seiner drei Töchter. Ein Camping-Wochenende mit Studienfreunden in Brighton, post-Brexit, bei Nebel und Nieselregen. Fünf Versuche, davon zu erzählen.

Meine Frau: Und? Wie war’s?

Ich: Es war schön. Wir haben gezeltet. Die Mädchen haben Spaß gehabt. Nur das Wetter war nicht so gut.

Sie: Du klingst gar nicht so begeistert.

Ich: Weil ich müde bin. Ich erzähl dir morgen, wie es war.

Nächster Morgen.

Ich: Es war gaanz toll.

Meine Frau: Habt ihr euch verstanden?

Ich: Sehr gut.

Sie: Hattet ihr auch Zeit zu reden, trotz der ganzen Kinder?

Ich: Ja.

Sie: Was haben Julia und Andrew erzählt?

Ich: Na ja, so viel haben wir auch wieder nicht geredet. Immerhin waren wir ... Moment ... sieben Erwachsene und neun Kinder.

Sie: Ihr müsst doch über irgendwas geredet haben.

Ich: Wir haben viele Witze gemacht.

Sie: Was für Witze?

Ich: Hab ich vergessen. Nein, warte, wir haben uns daran erinnert, wie es war, als wir an der Uni zusammengewohnt haben. Und als wir bei Doug die Pornobilder gefunden haben. Unter den Postern von Led Zeppelin.

Sie: Darüber habt ihr doch schon letztes Mal geredet.

Ich: Ja, stimmt. So gut waren die Witze auch wieder nicht.

Zwei Stunden später.

Ich: Ah, jetzt fällt mir ein, worüber wir geredet haben. Abends, als die Kinder geschlafen haben, saßen wir noch zusammen und haben über den Brexit geredet.

Meine Frau: Wie fanden die anderen den Brexit?

Ich: Ganz blöd. Alle waren sich einig. War also nicht so spannend. Und dann hat es geregnet. Darum sind wir dann gleich ins Bett gegangen.

Am nächsten Tag.

Ich: (hustend) Noch mal wegen England. Für die Mädchen war es, glaub ich, interessant. Es war eine gute Erfahrung.

Meine Frau: Wieso?

Ich: Weil sie zum ersten Mal richtigen Nebel gesehen haben. Und weil die anderen Kinder kein Deutsch konnten.

Sie: Aha.

Ich: Teilweise hab ich sie ganz bewusst mit den anderen Kindern allein gelassen.

Sie: Das klingt aber nicht so schön.

Ich: Vielleicht hast du recht: Es war doch nicht so schön.

Nachts, ich liege mit Fieber im Bett.

Ich: Okay, es war ein schönes Wochenende, und ich will nicht negativ sein, aber es war auch ... irgendwie ... ganz schrecklich. Soll ich dir alles erzählen?

Meine Frau: Ja.

Ich: Es sollte ja so ein Luxuszeltplatz sein. Glamping in England. Aber eigentlich war das ein Glamping ohne Glam.

Sie: Also Camping.

Ich: Genau. Und die Zelte waren nicht beheizt, und ich hab den Mädchen nachts Mützen aufgesetzt, und morgens haben sie mir gesagt, sie hätten gern auch noch Handschuhe gehabt.

Sie: Kein Wunder, dass ihr jetzt alle krank seid.

Ich: Es gab auch keine richtigen Betten, nur pralle Luftmatratzen, da sind die beiden im Schlaf immer runtergefallen.

Sie: O Gott.

Ich: Und die Zelte standen auf einer Wiese. Wenn wir zu den Badezimmern wollten – das war so ein dreckiger Container –, mussten wir 500 Meter durch nasses Gras. Ich hatte nicht genug Schuhe dabei, und wir hatten zwei Tage lang nasse Füße. Geduscht haben wir auch nicht.

Sie: Das hab ich gerochen.

Ich: Außerdem gab’s keine Küche. Deswegen hatten wir ein Extrazelt fürs Essen gebucht. Die Geburtstagstorte für die kleine Evie haben wir über Nacht im Zelt stehen lassen. Und morgens saß eine schwarze Nacktschnecke auf dem Teller.

Sie: Igitt, die Torte habt ihr dann aber nicht gegessen, oder?

Ich: Wir waren uns nicht sicher. Alex meinte, man könne die Torte essen, weil die Schnecke die Torte noch nicht erreicht hatte. Aber Susie hat dann zu Recht gesagt, dass die Schnecke wahrscheinlich schon in der Torte drin gewesen war und sich sozusagen auf dem Rückweg befand.

Sie: Das klingt ja furchtbar. Wie fanden die anderen denn das Wochenende?

Ich: Ach, weißt du, das sind Engländer. Die beschweren sich nicht. Ich bin ja auch so ein englischer Typ.

Sie: Na ja.

Ich: Also, wenn ich jetzt zurückschaue auf die Reise, muss ich sagen: Das Beste war, dass du zu Hause geblieben bist.