Es muss ein schreckliches Gefühl gewesen sein: Abend für Abend in einem anderen Beatclub zu stehen, vor Hunderten von adretten Kleinstadt-Halbstarken zu spielen, die keinen Fuß auf die Tanzfläche setzen. Um dann nach einer zu kurzen Nacht in einer schäbigen Pension im VW-Bus die nächste Kleinstadt anzusteuern, in der dasselbe wieder geschieht.

Die Monks, fünf ehemalige GIs, die zwischen 1965 und 1967 in Deutschland die Musikszene aufmischten, waren zu krass, zu hintergründig und zu konsequent für ihre Zeit. Sie spielten einen aus heutiger Sicht visionär monotonen Punk-Beat mit kreischender Hammondorgel und finsteren Texten ("I hate you") in körperverletzender Lautstärke. Statt der zeittypischen Langhaarfrisur ließen sie sich Tonsuren rasieren und traten in Mönchskutten auf.

Die Band war ein Konzeptkunstwerk, erfunden von zwei Designstudenten. Karl H. Remy und Walter Niemann, die später in der Werbung Karriere machten, hatten die fünf US-Amerikaner in Heidelberg in einem Beatschuppen aufgegabelt und verfolgten mit ihnen ein ambitioniertes ästhetisches Konzept: Garagen-Rock, gespielt von jungen Ex-Soldaten, kombiniert mit der gestalterischen Strenge deutscher Prägung im Bauhaus-Stil. Heute gelten die Monks als die Vorreiter des Punk – zu ihrer Zeit waren sie dem Publikum einfach nur suspekt. "Krach, Krach und keine Melodie", schrieb die Bild- Zeitung damals.

Außer in Hamburg. "Hamburg war die Nummer eins für uns ", erinnert sich der 2014 verstorbene Sänger Gary Burger im Dokumentarfilm The Transatlantic Feedback, der die Geschichte der Band erzählt. "Die Hamburger hatten eben schon alles gesehen. Es fing an mit den Beatles – und es endete mit den Anti-Beatles."

Die Anti-Beatles: Das waren diese fünf Jungs, die mit ihrem radikalen Konzept das nächste große Ding hätten werden sollen. So jedenfalls erhofften es sich Remy und Niemann, die als Manager und Produzenten dafür sorgten, dass die Musiker in der Öffentlichkeit nur als The Monks auftraten: keine langen Haare, keine Hippie-Ästhetik, immer cool und aufregend wirken. Dennoch stellte sich der Erfolg nicht ein. Das einzige regulär erschienene Album Black Monk Time verkaufte sich nur mäßig. Im katholischen Süden der Republik hasste man sie wegen ihres blasphemischen Mummenschanzes. Aber im protestantischen Hamburg waren die Monks willkommen.

Im Herbst 1967 wollte die Band nach Asien aufbrechen, um dort endlich Karriere zu machen. Doch frustriert von den Tourstrapazen und von internen Streits aufgerieben, erschien der Schlagzeuger nicht am Frankfurter Flughafen. Die Monks waren Geschichte.

Ein paar Wochen zuvor hatten sie noch an ein paar Einspielungen gebastelt, im Studio des Top Ten Club auf der Reeperbahn (heute das moondoo). Dort traten die Monks Abend für Abend auf. "Der Besitzer fragte, ob wir nicht ein paar Tracks einspielen wollten", erinnert sich Bassist Eddie Shaw. Die Plattenfirma Polydor hatte den Vertrag mit den Monks gekündigt, nachdem sich die Band geweigert hatte, auf einen besser vermarktbaren Musikstil einzuschwenken. Weil der Misserfolg dann doch am Selbstbewusstsein der Musiker genagt hatte, wählte man für die Aufnahmen im Top Ten nach den Liveauftritten (Arbeitszeit: drei bis acht Uhr morgens!) einen gefälligeren Sound. "Die Songs sind softer", sagt Eddie Shaw. "Und sie handeln alle von Beziehungen, die wir in Hamburg gehabt haben."

Fünfzig Jahre lang waren die Tonbänder dieser Sessions verschollen; das kleine Plattenlabel Third Man Records aus Nashville hat die Witwe von Sänger Gary Burger dazu überredet, noch mal im Nachlass zu kramen.

Anfang Juni wird das Material unter dem Titel The Hamburg Recordings 1967 veröffentlicht. Dann kann man nachprüfen, ob die Radau-Mönche tatsächlich sanft geworden sind.