Den Kitsch kann man gleich übergehen, diese ringparabelhafte Reiseroute zu den drei abrahamitischen Schriftreligionen, Islam (Riad), Judentum (Jerusalem), Christentum (Vatikan). Donald Trump ist kein gläubiger Mensch, in seinem Kosmos drängt sich immer er selbst als höchstes Wesen ins Bild. Vielleicht würde er gern glauben, aber er kommt halt nicht dazu.

Besser, man bleibt bei der Politik. Und da ist die Reise des US-Präsidenten hochinteressant, weil sie – anders als viele seiner außenpolitischen Äußerungen und Aktionen bisher – keineswegs als Privat-Verrücktheit eines merkwürdigen Mannes abqualifiziert werden kann. Vielmehr befindet sich Donald Trump in dieser Woche ganz auf der Höhe konventioneller amerikanischer Mittelost-Politik. Er agiert mithin im Dreieck von Überheblichkeit, mangelnden handfesten Interessen und magischem Denken.

Die USA haben in den vergangenen Jahrzehnten in dieser Region kaum eines ihrer Ziele erreicht, genauer gesagt, es ist fast immer das Gegenteil herausgekommen. Ziel war es beispielsweise, den Iran einzudämmen, Ergebnis: Der Iran war noch nie so stark wie heute. Vorgenommen hatte man sich, die islamistische Terrororganisation Al-Kaida zu vernichten, stattdessen wütet nun eine zweite, gewaltigere Gruppe namens IS. Nicht zuletzt wollten die USA Ordnung schaffen und haben dabei mit beinahe jedem Schritt das Chaos vergrößert.

George W. Bush und Barack Obama, die beiden Vorgänger Trumps, sind im Mittleren Osten gescheitert, obwohl sie alles durchprobiert haben, was sie im Werkzeugkasten amerikanischer Außenpolitik vorfanden: Intervention gegen Diktaturen und Stabilisierung von Diktaturen, Demokratie-Export und Machtzynismus, umfassende Kriege und reine Luftkriege, Drohnenangriffe sowie Stellvertreterkriege. Man könnte glatt auf die Idee kommen, dass mit der amerikanischen Mittelost-Politik, mit dem Bild, das die USA von der Region und von sich selbst haben, etwas grundlegend nicht stimmt.

Doch das – tief gehende Selbstkritik – ist natürlich keine Übung, die einem Donald Trump möglich wäre. Stattdessen bietet er etwas an, das er "prinzipienfeste Realpolitik" nennt, das indes nichts Neues enthält, sondern nur alte Irrtümer mit neuen Krawatten. Wenn mit "Realpolitik" die völlige Gleichgültigkeit gegenüber den westlichen Werten gemeint sein soll, so hat Trump mit der Selbstbeschreibung seiner Politik recht. Die Behandlung der Völker in dieser Region wird mal wieder ganz und gar den jeweiligen Diktatoren anheimgestellt – kein kritisches Wort an dieser Stelle. Wenn mit "Realpolitik" allerdings gemeint sein soll, dass sie sich in besonderem Maße an wirklichen Gegebenheiten orientiert, so ist der Ausdruck völlig abwegig.

Schon der Gedanke, dass mithilfe der amtierenden sunnitischen Herrscher der IS ausradiert werden könnte, entbehrt in der Wirklichkeit jeder Grundlage. Vielmehr basiert die wackelige Stabilität von Staaten wie Ägypten gerade darauf, dass sie durch ihre korrupte Misswirtschaft und brutale Unterdrückung in Gestalt von frustrierten und radikalisierten jungen Männern einen enormen Fallout an Destabilisierung erzeugen, eine der Quellen des islamistischen Terrors.

Realitätsblind ist auch Trumps sehr amerikanische Idee, ausgerechnet mit der islamistischen Diktatur Saudi-Arabien als privilegiertem Partner den islamistischen Terror besiegen zu können. Die Legitimität des Regimes von Riad beruht schließlich auf einem Deal zwischen dem Königshaus und der Geistlichkeit: Wenn ihr in aller Welt eure unzähligen Sünden begeht, dann dürfen wir auch unseren radikalen Islam in alle Welt exportieren.

Sollte die einseitige Parteinahme der USA zugunsten der einen islamistischen Diktatur (Saudi-Arabien) und zuungunsten der anderen (Iran) auf irgendeiner Realität beruhen, dann nicht auf einer, die etwas mit der Region oder gar mit den dort lebenden Menschen zu tun hat, sondern allein mit den USA selbst. Die brauchen die Rüstungsexporte nach Riad, um die amerikanische Waffenproduktion halbwegs rentabel zu halten. Außerdem pumpt Saudi-Arabien viel Geld in den Washingtoner Lobby- und Thinktank-Sumpf und schafft dort beträchtliche Abhängigkeiten. Trump hatte ganz recht, als er Hillary Clinton im Wahlkampf der Verlogenheit zieh, weil sie von den Saudis Geld für ihre Stiftung angenommen hatte.