In einem frühen Gangsterfilm wendet sich Humphrey Bogart an seinen Bandenboss, den er abgrundtief verachtet: "Ich will mich dafür entschuldigen, dich eine Ratte genannt zu haben – bei den Ratten!" Dieser Autor möchte ebenfalls Abbitte leisten, erinnerte ihn doch Donald Trump im Zeitgeist der Vorwoche an einen kleinen Jungen, der gern zündelt, wenn er sich langweilt. Mal sehen, was man mit einem Feuerzeug so alles anstellen kann ...

Jüngstes Beispiel: Als Trump dem russischen Außenminister im Oval Office höchst Geheimes verriet – was der IS plane und von wem (Israel) er es erfahren hatte –, klang er wie ein prahlender Dreikäsehoch, der kräht: "Ich weiß was, was du nicht weißt!" Die Abbitte gilt freilich nicht Trump, sondern den Kita-Kids, mit denen er in Amerika immer öfter verglichen wird. "Die Analogie ist falsch und unfair", zürnt in der New York Times die angesehene Entwicklungspsychologin Alison Gopnik aus Berkeley.

Wieso sind die Kleinen besser? Erstens, weil sie "unsäglich neugierig sind". Gopnik zitiert eine Studie, wonach sie hundertmal am Tag Fragen stellen. Was, wieso? Trump aber schert sich nicht um die Mechanik des Regierens; sonst hätte er eruiert, was Gesetz und Usus im Umgang mit Gegnern verbieten. Zweitens: Kinder verstehen sehr wohl den "Unterschied zwischen Fantasie und Realität"; sie halten sich nicht für die unbezwingbaren Helden, die sie im Spiel mimen. Trump aber weiß und kann alles; er ist Siegfried ohne Lindenblatt.

Drittens seien selbst Kleinkinder nicht so egozentrisch, wie ihnen unterstellt werde. Die Forscherin zitiert Studien, wonach schon Anderthalbjährige Mitgefühl und Selbstlosigkeit zeigen. Sie trösten und helfen einander. Dagegen steht die Verachtung von Minderheiten, die Trump im Wahlkampf abgesondert hat. Die Medien bleiben Staatsfeind Nummer eins.

Schließlich: Eltern wissen, dass ihre Winzlinge als amoralische, triebgesteuerte Wesen auf die Welt kommen. Die Forschung betont indes, die moralische Entwicklung setze sehr früh ein. Schon zwischen zwei und drei bekunden die Kleinen, es sei immer falsch, anderen wehzutun. Trump scheint dagegen Autoritäre zu schätzen, die ihre Völker quälen. Zwei- bis Dreijährige beginnen, soziale Normen zu ehren. Sie protestieren, wenn einer die Regeln durchbricht. Trump lebt vom Regelbruch; so hat er die Wahl gewonnen – womöglich mithilfe des Kreml.

Man darf Gopnik wie den Medien derlei Ferndiagnose ankreiden; Journalisten sind keine Psychologen, und die sollten über ihre Patienten nur nach länglichem Direktumgang befinden. Doch geht es hier um die Ehrenrettung der Kinder; sie haben den Vergleich mit Trump nicht verdient. Natürlich geben sie keine besseren Präsidenten her; aus gutem Grund schreibt die US-Verfassung ein Mindestalter von 35 vor. Der Wiener Kanzleraspirant Sebastian Kurz, 30, müsste in Amerika noch auf Ochsentour bleiben.

Lassen wir der Forscherin das letzte Wort: "Die besten Präsidenten haben sich kindliche Eigenschaften bewahrt: Neugier, Lernbereitschaft, intuitive Rücksicht." Trump ist eher vergleichbar mit Nixon, der 1974 der Amtsenthebung durch Rücktritt entging. Nur hat "Tricky Dick" seine Tiraden hinter verschlossenen Türen abgelassen und zumindest auf seinen Kissinger gehört.