Peter Kaufmann will erzählen, was er getan hat. Es gibt nur ein Problem: Es könnte ihm die Zukunft versauen. Und seine Zukunft ist sehr lang, er ist erst 18 Jahre alt.

Kaufmann war bis vor Kurzem als Vulture im Internet unterwegs. Klingt wie der Bösewicht aus einem Comicbuch. Er sagt, der Name bedeute ihm nichts mehr, er habe ihn abgelegt. Aber was Vulture ins Internet geschrieben hat, ist noch da.

Zum Beispiel: "Deutsche Politiker sind alle Schwächlinge, ohne Respekt für Land, Geschichte oder Volk." Oder: "Ich rede nicht mehr mit Kakerlaken-Arabern. Saudis, Kataris und alle Menschen in den Vereinigten Arabischen Emiraten müssen umgebracht werden, damit die Welt ein besserer Ort wird."

Kaufmann fährt mit seinem roten Rover auf den Parkplatz eines Rewe-Supermarktes in der Nähe von Hannover. Es ist Nachmittag, nur wenige Leute gehen einkaufen. Aus dem Wagen steigt ein junger Mann, groß, ganz in Schwarz gekleidet. Er läuft langsam über den Parkplatz und lächelt: "Schön, dass du gekommen bist."

Kaufmann wohnt in einem Reihenhaus bei seinen Eltern. Aber er will sein Zuhause nicht zeigen. Er will um keinen Preis erkannt werden. Kaufmann ist nicht sein richtiger Name. Den will er nicht in der Zeitung sehen, ebenso wenig wie den Namen, den er im Netz verwendet hat. Er fürchtet, man könne auf seine Identität schließen. Das könnte ihm Probleme bereiten. Bald macht er Abitur – und will danach nicht als bekannter Hassprediger an die Uni gehen.

Peter Kaufmann war ein Troll. So nennt man im Internet Leute, deren einziges Ziel es ist, zu provozieren. Ein Troll erfreut sich am Leid anderer, an deren Trauer und Zorn. Deswegen tut er alles, um diese Gefühle in Menschen hervorzubringen: hetzen, beleidigen, Lügen verbreiten.

Seit einiger Zeit spielen Trolle auch in der Politik eine immer größere Rolle. Vor allem, seitdem über Politik so heftig gestritten wird wie lange nicht mehr. Und seitdem mit Donald Trump ein Meisterprovokateur Präsident ist. Es gibt sogar Leute, die behaupten, Trolle hätten Trump ins Weiße Haus gebracht. Kaufmann sagt, er habe zumindest seinen Teil dazu beigetragen.

Kaufmann bietet an, in ein Café in der Nähe zu fahren. Dort könne man in Ruhe reden. Und das will er ja, erzählen von dem, was er getan hat, von der Szene, in die er eingetaucht ist. Nichts an ihm wirkt aggressiv. Man kann sich kaum vorstellen, wie er die Dinge laut ausspricht, die er ins Netz geschrieben hat.

"Typisch Jude."

"Entspann dich nie, wenn Schwarze in der Nähe sind."

Wenn man Kaufmann fragt, warum er diese Dinge getan hat, sagt er immer nur eins: Hass. Er habe so viel Hass empfunden – und irgendwo hätte der hingemusst. Woher diese Gefühle kamen, weiß er nicht. Eine etwas schwache Erklärung, einerseits. Andererseits: Welcher Teenager weiß genau, woher seine Gefühle kommen?

Die Botschaft war immer gleich: Schuld sind die Schwarzen, die Flüchtlinge

Kaufmann sagt, er habe heute keine "rassistische Veranlagung" mehr. Als wäre Rassismus ein Schnupfen, der vorübergeht. Vor der Flüchtlingskrise war Kaufmann nicht sonderlich politisch. Er war damals 17 und bekam Angst vor den "Wellen an Menschen" und vor "dem Islam". Verunsichert suchte er Antworten dort, wo er immer alle Informationen hernahm, in Internetforen. Früher las er nur über Technik oder Software. Jetzt besuchte er zum ersten Mal die Politikforen.

In den Politikforen mit kryptischen Namen wie 4chan und 8chan hat sich schon seit Jahren ein eigener Diskurs gebildet. Weit abseits dessen, was in der Presse diskutiert wird, hasserfüllt gegenüber der herrschenden Politik und deren Personal. 4chan und 8chan sind so etwas wie die Hinterhöfe des Internets; Diskussionsforen, in denen die User anonym unterwegs sind, simpel gebaute Webseiten, auf denen man Kommentare schreiben und Bilder teilen kann, ohne Moderatoren, ohne Standards. Für manche Nutzer sind diese Seiten das wahre Internet. "Hier darf man sagen, was woanders verpönt ist", sagt Kaufmann. Fremdenfeindlichkeit, Frauenhass, Antiglobalismus sind weitverbreitet.