Was gibt es heute? Geilen Shit." So formuliert es ein zufriedener Kunde auf Facebook, und ganz falsch liegt er nicht. Poke bringt alles mit, was eine Trendspeise so braucht: einen einprägsamen Namen, moderate Exotik, Wandlungsfähigkeit und einfache Zubereitung. Dass es außerdem noch schmeckt, schadet sicher auch nicht.

Poke stammt von den Inseln im Südpazifik. Dort würfelt man rohen Fisch und mariniert ihn mit Sojasauce, Reisessig und Sesamöl. Über Hawaii fand der erfrischende Salat vor Jahren in die USA – und jetzt nach Winterhude. Kailua Poké hat erst vor wenigen Wochen eröffnet. Trotzdem stehen abends manchmal schon Schlangen junger Leute vor dem Imbiss. Eine Tafel an der Tür verspricht: "Wer Sushi mag, wird Poke lieben."

Warum da vorher keiner drauf kam? Weil nur die besten Stücke von fangfrischen Fischen für den Rohverzehr taugen. Und die sind hierzulande teuer, anders als in der Südsee. Aber Not macht erfinderisch. So kamen die Importeure des Gerichts auf die Idee, es immer mehr anzureichern, mit preiswerten Zutaten, versteht sich.

Die "Bowls" im Kailua Poké treiben das auf die Spitze. Sie enthalten noch rund ein Zehntel Fisch, aber dank geschickter Präsentation an der Salattheke nimmt man das eher als Gewinn wahr. Man wird bedient, darf aber wählen, was genau in die Schale soll. So ist die Rezeptur über jede Kritik erhaben.

Der Mann hinterm Tresen verdient Respekt. Dafür, dass er auch bei 30 Grad seine schwarze Schlumpfmütze nicht absetzt. Auch dafür, dass er selbst in den untauglichsten Sätzen die Wörter "geil" oder "nice" unterbringt. Vor allem aber für die Lässigkeit, mit der er im Gedränge Schale um Schale belädt. "Avocado ist aus. Willste Süßkartoffel? Oder Spinat mit Sesam?"

Theoretisch gibt es ein Grundgerüst: weißer Reis oder Vollkornreis. Lachs oder Thunfisch. Praktisch lädt der Salatbarmann einem mehr auf, als man bezahlt hat: "Das schmeckt so geil. Probier mal." So hat man rasch die Welt in einer Poke-Schale: geröstete Kürbiskerne (Österreich), Granatäpfel (Mittlerer Osten), Avocadopüree (Mexiko), Kimchi (Korea), Macadamianüsse (Australien), Wasabi (Japan) und alles Mögliche mehr.

Passt das zusammen? Natürlich nicht. Es kulminiert in einem süß-sauer-scharfen Hulahula der Aromen, das man wohl auch in der Südsee überladen fände. Aber alles ist frisch und leicht – und fast alles hausgemacht. Wenn man mal ein Stück Fisch aus dem Durcheinander angelt, merkt man: gute Ware. Frisch mariniert, erst nach der Bestellung, obwohl das viel Zeit verschlingt.

Die wichtigste Zutat ist die Begeisterung der jungen Besitzer, von denen einer auf Hawaii studiert hat. Man hört sich an, was sie noch alles vorhaben; dies hier sei nur der Anfang. Man wippt mit dem Fuß zum Reggae, nimmt einen Zug Gurkenlimo, futtert seine Schale leer und denkt: Ja, Mann. Nice.

Kailua Poké, Himmelstraße 45, Winterhude. Tel. 0176/32 22 89 55, kailua-poke.de (in Arbeit). Geöffnet montags bis samstags von 11.30 Uhr bis 21.30 Uhr, sonntags von 14 Uhr bis 21.30 Uhr. Hauptgerichte um 11 Euro