Ich kaufe mir ja auch gern was Schönes zum Anziehen. Darum geht es nicht. Wir haben in dieser Zeitung über Textildiscounter berichtet und über Kleiderfabriken. Ich weiß, dass die Modebranche dazu neigt, ihre eigene Bedeutung zu überhöhen, und dass sie dabei Höhen erreicht, in denen die Luft dünn wird. Teilweise sehr dünn. Folgenden Text veröffentlichte soeben das Deutsche Mode-Institut, er ist leicht gekürzt und handelt von den "Farbinformationen für den Sommer 2019":

"Wir brauchen Klarheit in unserer chaotischen Welt voller politischer und wirtschaftlicher Unsicherheiten. Dafür hilft es zu wissen, wo wir stehen und wofür andere stehen."

Noch mal: Das ist kein Kirchentagsmotto, darin geht es um die Trendfarben des übernächsten Sommers. Aber weiter:

"Wir erleben einen beginnenden Wertewandel, mit dem immer mehr Menschen hinterfragen, wie wir leben und entscheiden. Fundamentale Werte sind gefragt: Gemeinschaft, Einfühlungsvermögen, Solidarität, Liebe. Und wir beginnen erst zu verstehen, wie wir eigene Prinzipien definieren und Designstrategien neu bewerten müssen. Empathie spielt eine zentrale Rolle. Und die Offenheit für Resonanz und Beteiligung. Sichtbarkeit und Unangepasstheit, Wandelbarkeit und Bewegung, aber auch Suche nach Tiefe und Intensität – die Farben für den Sommer 2019 erzählen Geschichten ..." und so weiter.

Ein Text wie ein Fesselballon: ausschließlich angetrieben von heißer Luft. Aber die meinen das ernst. Schließlich zitieren sie auch die japanische Designerin Rei Kawakubo mit dem Satz: "Because the fundamental human problem is that people are afraid of change." Man darf unterstellen, dass damit auch der Wechsel des Outfits gemeint ist. Dass man sich neue Klamotten kauft, war allerdings noch nie ein Problem. Ganz im Gegenteil. 2019, wenn ich die Zeilen der Modeprofis richtig deute, sind übrigens Ockertöne angesagt.