Geschenkte Jahre
Krebspatienten leben länger als früher

Keine Frage: Krebs ist noch immer eine schwere Erkrankung. Doch die Zeit, in der diese Diagnose einem Menschen oft vernichtend vorkommen musste, ist vorbei. Die Überlebenszeiten sind inzwischen deutlich gestiegen. Tumoren werden früher entdeckt, und es gibt wirksamere Therapien. Beispiel Brustkrebs: "Heute überleben 85 Prozent der Frauen, vor zehn Jahren waren es 60 Prozent", sagt Hans Peter Scheidel, Chefarzt im Jerusalem-Krankenhaus in Hamburg. Auch bei einigen Leukämien, bei Hodenkrebs und Hautkrebs sind Durchbrüche gelungen. Jüngst entwickelte Arzneien steuern gezielt das Immunsystem an – mit vielversprechenden Ansätzen. "Wenn Krebskranke erfahren, dass sie eine reelle Chance haben, sind sie so motiviert wie keine andere Patientengruppe", sagt Dirk Jäger, Direktor des Nationalen Tumor Centrums in Heidelberg.

Nicht schlecht
Therapien sind heute besser verträglich

Es gibt Trost für alle, die sich einer Krebstherapie unterziehen müssen: Die Behandlungen erzielen heute nicht nur bessere Effekte, sie haben vielfach auch weniger Nebenwirkungen als noch vor 20 Jahren. Die Strahlentherapien werden gezielter und schonender dosiert, und die Operationsmethoden sind verfeinert worden. Auch viele Begleiterscheinungen der Chemotherapie lassen sich mittlerweile gut lindern, indem die Arzneien besser miteinander kombiniert und in geringeren Mengen verabreicht werden können. Gegen Übelkeit, Erbrechen, Durchfall oder Verstopfung helfen zudem sogenannte supportive Therapien mit Pflastern, Infusionen oder Tabletten, was die Lebensqualität der Patienten stark verbessert. Haarausfall lässt sich mit Kühlkappen mildern, die begleitend zur Chemo aufgesetzt werden.

Besser aufgehoben
Krebs wird heute ganzheitlich bekämpft

Die Versorgung ist umfassender organisiert: Es gibt immer mehr spezialisierte Krebszentren, die nach neuestem Wissensstand behandeln. Vor allem wird die Bedeutung der Patientenseele ernster genommen: An vielen Krankenhäusern arbeiten heute Psychotherapeuten, die Krebspatienten betreuen. Das nimmt dem Kranksein nicht den Schrecken, doch es fängt viel Leid auf.

Bewegende Wirkung
Bereits ein wenig Sport hilft heilen

Bewegung verbessert die Lebensqualität und verlängert das Leben – auch bei Krebspatienten. Dieser revolutionär anmutende Befund ist inzwischen vielfach wissenschaftlich belegt. So kann Sport die Nebenwirkungen einer Chemo- oder antihormonellen Therapie reduzieren, ebenso das Rückfallrisiko. Patienten mit Brust-, Darm- und Prostatakrebs, die regelmäßig aktiv sind, haben eine bessere Prognose. Vermutlich weil Sport aktivierend auf das Immunsystem wirkt. Und womöglich weil Muskeln Botenstoffe und Eiweiße direkt an die Organe senden und so das dortige Zellwachstum beeinflussen.

Entpannt genießen
Radikale Krebsdiäten kann man sich schenken

Was sich manche Patienten so alles anhören müssen: Keine Kartoffeln mehr! Zucker ist tabu! Essen Sie Algen! Unsinn, sagen Forscher: Krebspatienten brauchen keine speziellen Diäten einzuhalten; vor radikalen Methoden warnen sie sogar. "Vor allem während der Therapie sollte der Körper nicht zusätzlich durch Verzicht geschwächt werden", sagt Susanne Weg-Remers, Leiterin des Krebs- informationsdienstes. Die Lehren vermeintlicher Krebsdiät-Gurus kann man getrost ignorieren. Für die Gesundheit und das Wohlbefinden ist es klüger, zu essen, was einem schmeckt – und sich an den einfachen Regeln der mediterranen Ernährung zu orientieren: Ehemalige Darmkrebspatienten, die häufig Fisch, Geflügel, Obst und Gemüse essen, haben nach Studiendaten ein geringeres Risiko, erneut zu erkranken, als Patienten, die viel rotes Fleisch und Weißmehl verspeisen. Eine Kost mit viel Gemüse schützt zudem vor Übergewicht, welches als Risikofaktor für die Entstehung von Krebs gilt.