Ein schräges Schauspiel war im 15. Jahrhundert in den Gassen von Venedig zu beobachten. Erstaunlich große, elegant gekleidete Frauen torkelten über das Pflaster. Jede hatte zwei Diener an ihrer Seite, die sie stützten und davor bewahrten, in den Dreck zu fallen. Wer näher hinsah, erkannte, dass die Frauen auf absurd hohen Plateauschuhen herumliefen. Bis zu 75 Zentimeter dick waren die Sohlen – kein Wunder, dass es sich darauf schlecht laufen ließ. Die Chopinen, wie sich die Schuhmodelle nannten, dienten als Statussymbol und als Schutz. Sie sollten den Damen Matsch und Pferdemist vom Leib halten. Es galt: Je höher und prunkvoller verziert die Chopine, desto besser situiert war die Trägerin.

Es ist anzunehmen, dass die Frauen seinerzeit oft mit schweren Beinen und schmerzenden Füßen ins Bett gingen, nachdem sie den ganzen Tag das Gewicht der Sohlen mit sich herumgeschleppt hatten. Heute gibt es andere Moden, unter denen Füße leiden, wie den Absatzschuh. Im 16. Jahrhundert trugen ihn zuerst der Adel und wohlhabende Leute. Zu dieser Zeit schmückte er Männer- und Frauenfüße gleichermaßen. Etwa gegen Ende des 19. Jahrhunderts liefen dann fast ausschließlich Frauen auf hochhackigen Schuhen, und die Absatzhöhe wuchs – bei High Heels auf zehn Zentimeter und mehr.

Das hat seinen Grund: Die Frau geht damit aufrechter, sie ist größer. Die durchgedrückte Brust und das leicht nach hinten kippende Becken betonen die weiblichen Kurven stärker – Absätze machen sexy. Eine aufrechte Haltung wirkt sich zudem nachweislich positiv auf das Selbstbewusstsein aus. Allerdings hat das stolze Gestöckele seinen Preis. Nicht nur die Füße leiden, sondern auch der Rest des Körpers. Auf hohen Absätzen entsteht leicht ein Hohlkreuz. Die Folge: ungleich belastete Muskeln, Verspannungen, Rückenschmerzen. Auch die Knie leiden, denn das Körpergewicht lastet stärker auf ihnen.

Schon bald nach Erfindung der High Heels zeigten sich die ersten Fußfehlstellungen, etwa der Hallux valgus. Damit stellen sich heute zahlreiche Frauen in Orthopädie-Praxen vor. Es handelt sich um eine Verwachsung, erkennbar an einer auffälligen Beule an der Innenseite des Fußes, auf Höhe des Großzehengrundgelenks. Sie entsteht dadurch, dass der große Zeh schräg in Richtung der kleineren wächst und sein Gelenk so praktisch aus dem Fuß geschoben wird. Orthopäden gehen davon aus, dass Absätze eine der Ursachen dafür sind.

"Gelegentliches Tragen hoher Absätze ist weniger schlimm", sagt Christian Lüring. Er ist Direktor der Klinik für Orthopädie am Klinikum Dortmund. Auch zwei bis drei Zentimeter machen dem Fuß nicht so viel aus. "Problematisch wird es, wenn Sie regelmäßig Absätze von sechs Zentimetern oder höher tragen und wenn die Schuhe vorn spitz zulaufen." Durch den Absatz verlagere sich das Körpergewicht auf den vorderen Fußballen. Das natürliche Abrollen über die Ferse sei dann nicht mehr möglich. Außerdem rutsche der Fuß weiter nach vorn in die Schuhspitze. "Dort ist nicht genug Platz für alle Zehen. Sie schieben sich zusammen. Aus dieser Haltung entsteht der Hallux valgus", sagt Lüring.

Die Fehlstellung kann unangenehme Folgen haben: Die Schuhe reiben an der Haut über dem verwachsenen Gelenk, was zu Verletzungen oder Blasen führen kann. Mit der Zeit kann sich durch den Druck des Schuhs auch der Schleimbeutel über dem Gelenk entzünden. Jeder Schritt tut dann weh. In schweren Fällen finden die Betroffenen kaum noch Schuhe, die ihren verformten Füßen passen. Ist es so weit gekommen, hilft nur noch eine Operation. "In der Regel können wir den Hallux valgus in einer OP ohne große Komplikationen korrigieren", sagt Lüring. "Es sei denn, der Zeh ist kontrakt, also vollkommen unbeweglich geworden. Dann wird es komplizierter." Das oberste Ziel sei, den Zeh wieder gerade zu stellen. Welche Methode im Einzelfall geeignet ist, muss ein Fußchirurg entscheiden. Die Kassen kommen in der Regel für die Kosten auf.

Wer nach vielen Arbeitstagen und Partynächten auf hohen Schuhen feststellt, dass sich ein Hallux valgus bildet, der kann erst einmal selbst mit nicht operativen Methoden gegensteuern. Wichtig ist, auf flache Absätze umzusteigen und den Zehen genug Freiraum zu gönnen. Wenn es High Heels sein müssen, ist es ein guter Trick, ein flaches Zweitpaar Schuhe zum Wechseln dabei zu haben.

Spezielle Einlagen und Schienen können zudem den vorderen Fuß entlasten. Sie werden an den großen Zeh und den seitlichen Fuß angelegt, und sollen Last vom Zehgelenk nehmen.

Zu Hause gilt: Schuhe aus und auf Socken oder barfuß laufen. "Wenn wir barfuß laufen, trainieren wir die Füße auf die beste Art", sagt Lüring. Dabei werden genau die Muskeln beansprucht, die der Fuß für eine gesunde Haltung braucht. Das Gleichgewicht der Fußmuskeln kann durch falsche Schuhe aus dem Lot geraten. "Manche Muskeln degenerieren, weil wir sie nicht mehr einsetzen", sagt Lüring. Doch immerzu barfuß laufen wäre auch keine Lösung: "Dafür sind unsere Fußsohlen gar nicht mehr ausgelegt."

Ihnen fehlen die Schwielen – Verdickungen der Hornhaut. Die haben zwar eine Schutzfunktion, werden heute aber gern weggehobelt, damit die Füße besonders gepflegt aussehen. Schwielen entstehen vor allem dort, wo die Haut stark belastet wird. Dieser Mechanismus kann sich ins Krankhafte verkehren, wenn die Haut zu stark wuchert, weil etwa ein Schuh immer auf dieselbe Stelle drückt. Dort verdickt sich die Hornhaut, verformt sich kegelförmig und drückt als Sporn in den Fuß – als "Hühnerauge" (das so heißt, weil die betroffene Stelle einem Vogelauge ähnelt). Wer zu solchen Wucherungen neigt, dem könnte ein neues Paar bequeme Schuhe Abhilfe schaffen.

Hornhautwucherungen können das Gehen stark beeinträchtigen, lassen sich aber unkompliziert behandeln: In mehreren Studien hat sich gezeigt, dass es hilft, ein Salicylsäurepflaster auf das Hühnerauge zu kleben. Anschließend fällt es entweder von allein ab oder lässt sich mit einem Bimsstein abreiben.

Grundsätzlich raten Experten davon ab, Hornhaut mit scharfen Werkzeugen selbst zu bearbeiten. Die Arbeitsgemeinschaft ästhetische Dermatologie und Kosmetologie warnt: "Nicht wegschneiden, sonst wächst sie verstärkt nach! Und keinesfalls Nagelschere oder Rasierklinge verwenden – Verletzungen sind sonst vorprogrammiert." Wer selbst Hand anlegen wolle, solle ein Fußbad nehmen, anschließend einen Bimsstein benutzen und danach die Füße gut eincremen. Cremes, die Fruchtsäuren oder Harnstoff enthalten, können verhärtete Haut etwas weicher machen. Auch Handcreme kann helfen.

Als in Venedig die Chopinen in Mode kamen, erließen die Stadtväter übrigens ein Gesetz, das Sohlen dicker als sieben Zentimeter verbot – es gab zu viele Stürze. Die meisten Venezianerinnen interessierte das wenig: Sie wankten noch bis zum 18. Jahrhundert auf dicken Sohlen durch die Stadt.