Der folgende Fall ist ebenso mysteriös wie der Ruf der Zugbegleiter der Deutschen Bahn normalerweise untadelig – na gut: Die Bahnleute mögen auch mal schlecht gelaunt sein, mögen mal abpfeifen, wenn man sich dem Zug noch im Schweinsgalopp nähert, und sind vielleicht bei Störungen im Betriebsablauf nicht immer aufzufinden. Aber dass ein ihnen anvertrautes Handy verloren gehen könnte, darauf würde man erst mal nicht kommen.

Doch von vorn: Am 11. Dezember vergangenen Jahres fuhr ein Bahnkunde mit dem ICE 26 von Regensburg in Richtung Hamburg. Nach dem Aussteigen fiel ihm auf, dass er sein Smartphone im Zug liegen gelassen hatte. Als er das daheim seiner Frau erzählen wollte, wusste die es längst, denn sie hatte einen Anruf bekommen: von einer Bahnkundin aus Bonn, die das Handy gefunden hatte und es ihm netterweise zuschicken wollte. Alles gut? Mitnichten. Denn, erzählt die Handyfinderin am Telefon, neben ihr habe ein Mann gesessen, sich als Polizist zu erkennen gegeben und auf das "korrekte Prozedere" gepocht: nämlich das Smartphone dem Zugbegleiter zu übergeben. Dieser habe das Handy zwecks Weiterleitung in seine Tasche gleiten lassen. Und nun verliert sich die Spur des Geräts. Sooft dessen Eigentümer bei der Fundstelle der Bahn nachfragte: Stets kam der Bescheid, es habe sich nicht angefunden. Auch als er die besondere Rolle des Schaffners schilderte, habe es keine Reaktion gegeben, sagt er, bis heute. Vermutlich, weil derlei nicht vorgesehen ist: Es gibt keine bahninternen Ermittler, die alle Zugbegleiter befragen, die am 11. Dezember im ICE 26 Dienst hatten.

Für uns erledigte das die freundliche Pressestelle der Bahn. Doch keiner der Einvernommenen schlug sich vor die Stirn und fischte aus der Hosentasche das Smartphone, das er doch glatt vergessen hatte. Und Absicht kann sich Sprecher Egbert Meyer-Lovis nicht vorstellen: "Wer sollte deswegen seinen Job riskieren?" Es ärgere sie sehr, sagt die Frau aus Bonn, dass sie nicht die Personalien des Schaffners notiert habe, denn jetzt stünde ja quasi sie dumm da. Das Handy übrigens dürfte mittlerweile einen neuen Besitzer haben, auch dann, wenn es korrekt weitergeleitet wurde: Was länger als 70 Tage im Fundbüro liegt, wird versteigert.