"Verheerend", "extrem" und "Abrissbirne", das ist der Sound der Reaktionen, kondensiert auf eine Textzeile. Das Magazin Science hat sie bei Forschungsvertretern in den USA eingesammelt, nachdem das Weiße Haus in der vergangenen Woche seinen Haushaltsentwurf für 2018 veröffentlicht hatte. Zwar gehört die Abwehr des Rotstifts stets zum Kerngeschäft von Wissenschaftsfunktionären. Doch die Einsparungen in der Forschung, wie sie die US-Regierung für ihr Jahresbudget 2018 plant, sind beispiellos.

Minus 22 Prozent für die National Institutes of Health, die medizinische Forschung finanzieren. Minus 11 Prozent für die National Science Foundation, das amerikanische Pendant zur Deutschen Forschungsgemeinschaft. Minus 14 Prozent für den geologischen Survey USGS und mehr als 30 Prozent weniger für die Umweltschutzbehörde EPA. Das alles trifft Institutionen, die maßgebliche Finanziers von Forschungsprojekten in ihren jeweiligen Bereichen sind. Die Liste ließe sich fortsetzen, das Bild zweistelliger Einsparungen bliebe.

Jede Kürzung, die auch die Zustimmung des Kongresses findet, wird die Wahrscheinlichkeit neuer Entdeckungen, Erfindungen oder Therapien mindern. Und wenn die bei Weitem größte Forschungsnation sich beschränkt, wirkt das auch über die Grenzen der USA hinaus. Ebenso ist das Desinteresse des Weißen Hauses an Umwelt- und Klimaforschung ein globales Problem. Schon das rechtfertigt jeden Protest.

Doch neben dem offensichtlichen Streit ums Geld geht es noch um etwas anderes, Tieferes: Hier tobt ein Kulturkampf, der in Budgetzahlen ausgetragen wird. Offenbart doch der nähere Blick in den 2018 Budget Request über die Breite der Institute und Behörden hinweg stets an einer Stelle besonders starke Einschnitte: in der Grundlagenforschung.

Die liefert keine planbaren Ergebnisse, bringt höchstens indirekt wirtschaftlich messbaren Fortschritt. Liebevoll entkonkretisiert hat Hoimar von Ditfurth die Grundlagenforschung einmal als "Fortsetzung der Philosophie mit anderen Mitteln". Man kann sie auch als Infrastruktur des intellektuellen Fortschritts auffassen. Oder wie Theater, Museen und Opern, die sich ein Gemeinwesen leistet, als: Kulturgut.

Systematische Forschung abseits konkreter Anwendungen zusammenzustreichen ist ähnlich, wie ein Opernhaus zu schließen: kann man machen, entlastet rasch das Budget. Aber zu welchen Kosten? Was dann niemals gedacht werden, niemals entstehen wird, bleibt unwissbar. Es wäre ein Kulturverlust, für die ganze Welt.