Emmanuel Macron und Donald Trump. Zwei Staatsmänner. Vom Alter her trennen sie drei Jahrzehnte, und doch verbindet sie etwas. Die Geste des Händeschüttelns zum Beispiel, der politischen Variante des Armdrückens. Beim Nato-Gipfel in Brüssel ließ Macron einfach nicht locker. Vergeblich versuchte Trump, sich dem festen Händedruck des französischen Staatspräsidenten zu entziehen, der später dem Journal du Dimanche erzählte, das habe er absichtlich getan, als Zeichen, dass er keine Zugeständnisse mache.

Symbol, Symbol. Wer drückt, der führt – so sollte man das wohl verstehen. Und es war ja auch nicht der erste Hand-Streich, in den der US-Präsident verwickelt war. Als Kanzlerin Angela Merkel ihm im März in Washington besuchte, reichte Trump ihr bei einem Fototermin nicht die Hand (bei anderer Gelegenheit aber schon). Die des japanischen Premiers Shinzō Abe hatte Trump nur Wochen vorher ganze 19 Sekunden lang festgehalten. Darüber kann man sicher viel diskutieren. Aber die Probleme der Welt sind wohl einfach noch nicht groß genug, wenn man schon jede Geste analysieren muss.

Grundsätzlich liegt es natürlich nahe, politische Handlungen zu deuten. In der Diplomatie kommt es schließlich auch auf Nuancen an, lässt sich harte Kritik in zuckersüße Wortwatte verpacken. Und in der Politik zählte Symbolik schon immer zum Standardrepertoire der Mächtigen. Gerade Trump verwendet – bewusst oder unbewusst – Gesten, die man einem großspurigen Unternehmer vielleicht noch durchgehen lassen würde, die bei einem Staatsoberhaupt aber komplett unangemessen wirken. Wenn er seinem Gesprächspartner etwa jovial und gönnerhaft auf die Schulter klopft. So geht vielleicht der Trainer einer Collegemannschaft mit seinen Schülern um, weil die brav nach seiner Pfeife tanzen. Verständlich, wenn andere Staatsoberhäupter den Drang verspüren würden, Trump im Gegenzug durch dessen blonde Mähne zu wuscheln – so wie man das bei einem frechen Lausbub à la Michel aus Lönneberga machen würde. Oder ihn, so wie Macron, einfach mal ein klein wenig selbst in die Griffzange zu nehmen.

Es macht durchaus Spaß, sich das alles auszumalen. Trotzdem sollte man dem ganzen Vorgang nicht allzu viel Bedeutung beimessen, denn die Händeschüttlerei findet stets auch nur für die Öffentlichkeit statt. Entscheidender ist und bleibt die Sachpolitik, von der sich beim Blick auf Griffstärken und -dauern allerdings prima ablenken lässt.

Insgesamt wird die Händedruckexegese stark übertrieben und wirkt teilweise hochgradig skurril. An der University of Iowa will ein Professor mal ermittelt haben, dass ein fester Händedruck über Jobchancen entscheidet. Andere Forscher behaupten, dass Menschen mit warmen Händen barmherziger seien als solche mit kalten. Da soll noch mal jemand sagen, eine heiße Tasse Tee könne keine Wunder bewirken. Der Blog Karrierebibel hält sogar neun Ratschläge für den perfekten Handschlag im Arbeitsleben bereit, wobei sich der Eindruck aufdrängt, dass seine berufliche Zukunft bereits aufs Spiel setzt, wer den für einen guten Handschlag nötigen Schwung nicht richtig aus dem Ellenbogen heraus generiert (Tipp Nr. 5).

Das ist kaum mehr als unterhaltend. Guinness World Records zufolge gilt Trumps Amts-Urahn Theodore Roosevelt (1858–1919) übrigens bis heute als "Staatschef mit den meisten geschüttelten Händen", seit er 1907 beim Neujahrsempfang im Weißen Haus offiziell 8513 Hände drückte. Ein Rekord im Dauerschütteln mit nur einem Partner (ob mit oder gegen dessen Willen) ist nicht bekannt.