Ich arbeite als Informatiker in einem internationalen Unternehmen. Dort betreue ich die IT-Technik für 1.000 Angestellte. In meinem Job stehe ich unter Zeitdruck, muss Entscheidungen treffen, zu 100 Prozent professionell sein.

Wenn ich nach Hause komme, verwandle ich mich zur Entspannung gerne in Lupus, mein Wolfs-Ich. Dann ziehe ich meine Gummimaske an. Die ist aus den USA, das Design von Lupus’ Gesicht habe ich selbst entworfen. Durch die Schläuche in der Schnauze kann ich sogar schnüffeln. Mit der Maske mache ich es mir dann auf dem Sofa oder auf meiner Fleecedecke gemütlich. Aber das Outfit ist eigentlich nur ein modisches Accessoire. Petplay, so heißt das Ganze, findet vor allem im Kopf statt. Wenn ich zum Wolf werde, fahre ich runter wie ein Computer. Als Lupus kann ich komplett loslassen. Dann muss ich nicht überlegen, was noch zu tun ist oder ob ich alle Rechnungen bezahlt habe.

Manchmal packe ich auch mein Abendessen in einen Napf. Trinken geht mit der Maske, fürs Fressen ziehe ich die Maske aber aus. Ich habe auch schon mal Hundefutter probiert: schmeckt grausig und knirscht zwischen den Zähnen.

Schon als Kind habe ich mich für Hunde und Wölfe interessiert. Mit 17 habe ich gemerkt: Ich will selbst ein Wolf sein. Im Internet bin ich auf die Furry-Fandom-Szene gestoßen. Inzwischen tauche ich so oft wie möglich in meiner Freizeit in meine Rolle als Wolf Lupus ab, manchmal auch auf Petplay-Partys. Dort streife ich auf allen vieren durch den Garten, apportiere Stöckchen, übe "Sitz" und "Platz". Und ich trage dann mein komplettes Outfit: Ich schlüpfe in meinen Ganzkörper-Latexanzug, ziehe Maske und Latexpfoten an. An den Knien trage ich zum Schutz Schoner wie beim Volleyball. Mein Hundegeschirr habe ich im normalen Tierbedarf gekauft, in Fetischläden ist das viel zu teuer.

Um noch mehr mit meiner Rolle zu verschmelzen, habe ich Lupus bei Tasso, Europas größtem Haustierregister, auf meinen bürgerlichen Namen registriert. Und ich habe mir einen Tiertransponder in den Oberarm implantieren lassen. Ich weiß, dass mein Hobby etwas seltsam ist. Deshalb will ich hier auch nicht mit meinem echten Namen stehen.

Im Moment bin ich Single. Auf lange Sicht wäre es aber schon schön, wieder ein Herrchen oder Frauchen zu haben. Das könnte mir dann auch beim Anziehen helfen – die Pfoten schaffe ich nicht alleine. Meine frühere Freundin konnte nichts mit Petplay anfangen. Das war auch der Grund, warum unsere Beziehung in die Binsen gegangen ist. Für mich gehört Petplay zu einer Beziehung dazu. Aber davon abgesehen, bin ich eigentlich ein ganz normaler Typ.

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Aufgezeichnet von Karen Bauer